Infotag zu Brustkrebs im Klinikum

Zeit für Sorgen und Ängste

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Eine Erläuterung der Klangschalentherapie war einer der Punkte beim Patienten-Info-Tag „Brustkrebs – was tun?“ des Sana-Klinikums im Rathaus.

Offenbach - Die Diagnose Brustkrebs ist für viele ein Schicksalsschlag, gefolgt von der Frage: Was tun? Diesem Thema widmet das Brustzentrum des Klinikums jährlich Informationstage. Auch in diesem Jahr war der Andrang groß, der Sitzungssaal im Rathaus voll besetzt. Von Tanisha Groh

Kaum zu glauben, dass die Veranstaltung beim ersten Mal in der Turnhalle der Marienschule stieg – mit ungefähr 50 Zuhörern, erinnert sich Dr. Lida Schneider, Psychoonkologin am Sana-Klinikum. Sie ist für die psychologische Betreuung der Patienten zuständig, kümmert sich vor allem um deren Sorgen und Ängste.

„Es ist mir ganz wichtig, mir genug Zeit für die Patienten zu nehmen. Ich möchte, dass sich alle bei mir wohlfühlen. Oft geht diese menschliche Komponente im stressigen Ärztealltag verloren“, weiß sie.

Seit mittlerweile acht Jahren übernimmt Schneider diese Aufgabe. Die Veranstaltung hat sie damals ins Leben gerufen. Durch spezifische Fragebögen weiß sie genau, welche Themen rund um die Krankheit ihre Patienten interessieren, und stellt auf deren Basis ein Programm für jeden Infotag auf.

Aspekte des alltäglichen Lebens beleuchten

Dazu gehören nicht nur Informationen, die sich mit den medizinischen Aspekten rund um das Thema Brustkrebs befassen, sondern auch Aspekte aus dem alltäglichen Leben. „Für die Frauen ist es sehr wichtig, dass sie ganz normal weiter leben“, weiß Schneider. Deshalb gibt es am Infotag spezielle Stände, die sich mit Essen, Kleidung und Sport befassen. Ob Hüte, kohlenhydratreiche Nahrung oder entspannende Yogaübungen – für jeden ist etwas dabei.

„Am interessantesten ist es für die Betroffenen natürlich trotzdem immer, welche neuen Behandlungsmöglichkeiten es gibt“, erklärt die Ärztin. Und da die Onkologie einer der medizinischen Fachbereiche ist, in denen am meisten geforscht wird, ist die Prognose immer besser.

Medizinischer Fortschritt verkürzt Eingriffe

In Offenbach kümmert sich Dr. Christian Jackisch, Leiter der Frauenklinik, um die stets besser werdenden Aussichten. Mehrmals im Jahr reist er zu internationalen Kongressen, um sich mit Kollegen aus aller Welt auf den aktuellen Stand zu bringen. „Momentan erforschen wir eine Methode, bei der sich Patienten Antikörper subkutan, also unter die Haut, spritzen lassen können.

Früher hat dieses Verfahren ganze 90 Minuten gedauert, heute braucht man dafür nur noch drei bis fünf Minuten“, erklärt er stolz. Diese Erkenntnisse gingen aus einer weltweiten Forschungsreihe hervor, an denen das Klinikum Offenbach maßgebend mitwirkte.

Eins bleibt allerdings immer gleich – wie man den Brustkrebs erkennt. „Das sind in der Tat meistens die Frauen selbst, die einen Knoten in ihrer Brust ertasten und für weitere Untersuchungen zum Arzt gehen“, erklärt Jackisch. Aber auch die sogenannte Screening-Methode, bei der eine bestimmte Zahl von Patienten vorsorglich auf bestimmte Symptome untersucht wird, kommt häufig zum Einsatz.

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Wird ein bösartiger Tumor entdeckt, verläuft die Therapie meist standardisiert ab – von Patient zu Patient kommt es zu individuellen Anpassungen. Zuerst eine Operation, bei der der Tumor entfernt wird, dann eine Chemotherapie, um die bösartigen Zellen abzutöten, anschließend eine Strahlentherapie und schließlich eine Antihormontherapie.

„Das hört sich alles sehr aufwendig und angsteinflößend an. Aber nur durch diese weitreichenden Eingriffe können wir sichergehen, dass die Erkrankung beseitigt wurde“, meint Jackisch.

Um Frauen die Angst vor der Erkrankung zu nehmen, haben Schneider und Jackisch schon den nächsten Informationstag festgelegt: 20. September 2014, zum Zehn-Jahre-Jubiläum.

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