Zeitlos unschöner Stoff

„Des Teufels General“ bei Theateressenz Offenbach gefeiert

Ein Spiel um Widerstand und Mitläufertum: „Des Teufels General“ mit Gerd Silberbauer (Dritter von links). J  Foto: Simshäuser
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Ein Spiel um Widerstand und Mitläufertum: „Des Teufels General“ mit Gerd Silberbauer (Dritter von links).

Offenbach - Es war der größte deutsche Bühnenerfolg der Nachkriegsära: „Des Teufels General“, Carl Zuckmayers Drama um einen Flieger, der sich in den Dienst der Nazis stellt. „Genauso war’s“ – so lautete die typische Reaktion. Von Markus Terharn

Funktioniert dieses Konzept immer noch, obwohl kaum jemand mehr lebt, der das aus eigener Anschauung beurteilen kann? Klare Antwort auf die Inszenierung der Konzertdirektion Landgraf, zu Gast bei der Theateressenz Offenbach im Capitol: Ja!

Dabei bemüht sich Klaus Kusenbergs Inszenierung gar nicht erst um Aktualität; zum Glück. Die Geschichte ist in ihrer Zeit verhaftet und soll es bleiben. Geschrieben während des Zweiten Weltkriegs im US-Exil, uraufgeführt in der Schweiz 1946, atmet das Stück bis heute von der bestürzenden Außensicht auf NS-Deutschland. Die Atmosphäre von Herbst/Winter 1941 ist glänzend getroffen, ebenso das Verhalten der Täter, Mitläufer und (wenigen) Widerständler. Dazu trägt die variable Einheitskulisse von Günter Hellweg ebenso bei wie die Kostümierung von Franziska Isensee.

Aber natürlich lebt der Stoff in erster Linie von der Hauptfigur. Bei der Uraufführung von Gustav Knuth, in der Verfilmung von Curd Jürgens, später von Carl Raddatz oder Martin Benrath verkörpert, hat Gerd Silberbauer mit lauter Jahrhundertschauspielern zu konkurrieren Und was soll man sagen? Er hält jedem Vergleich stand!

Schnoddrig, antinazistisch, trinkfest, frauenaffin: Flieger-General Harras ist eine Paraderolle, die sich jeder Mime wünscht. Der TV-bekannte Silberbauer kann sich indes auf adäquate Mitstreiter stützen. Da ist vor allem Markus Fisher als aalglatte, intelligente, eiskalt böse Goebbels-Type Schmidt-Lausitz. Dann Daniel Pietzuch als Fahrer Korrianke mit Berliner Mutterwitz. Und Andreas Klein als angepasster Rüstungsunternehmer, der um Verständnis für sein Verhalten bettelt.

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Sie stechen heraus aus dem Ensemble, das jeder Figur gerecht wird: Thorsten Nindel als aufrechter Oberst; Hans Machowiak als Ingenieur im Widerstand und kollaborierender Kellner; Adrian Spielbauer als idealistischer Leutnant; Martina Dähne als Nazitesse; Marsha Zimmermann als Kriegerwitwe; Elisabeth Halikiopoulos als Liebende. Riesenbeifall!

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