Weg zur Luftreinhaltung

Kein Zeitplan für Kunst-Staus

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Der alltägliche Stau auf der Bieberer Straße in Richtung Innenstadt: Geht es nach den Wissenschaftlern, muss die Luft von Schadstoffen entschlackt werden.

Offenbach - Das Prinzip klingt einfach: Um dicht besiedelte Stellen mit generell hohen Luftschadstoffwerten in Stoßzeiten zu entlasten, werden mit Hilfe von „Pförtnerampeln“ künstliche Staus außerhalb bebauter Gebiete herbeigeführt. Von Thomas Kirstein

Ein entsprechendes Versuchsprojekt haben Experten der Technischen Universität (TU) Darmstadt nach knapp zwei Jahren abgeschlossen. Jetzt dienen Professor Manfred Boltze und seine Mitarbeiter ihr Modell zur flexiblen Verkehrssteuerung als Alternative zu starren Fahrverboten an.

„Offenbach geht neue Wege bei der Luftreinhaltung“, meldet die TU. Tatsächlich aber ist es mit der Umsetzung noch lange nicht so weit. „Wir sind momentan dabei, die Ergebnisse durch Verkehrssimulationen zu vertiefen“, erläutert der städtische Verkehrsplaner Hans-Joachim Bier-Kruse. Anschließend ist die Politik in Gestalt der örtlichen Verkehrskommission gefragt. Mit dem Deutschen Wetterdienst wäre der Bezug von Daten zu verhandeln, mit der die EVO die Umrüstung der betreffenden Ampeln.

Projekt noch nicht im Investitionsplan

Da das Projekt noch nicht im Investitionsplan steht und Offenbach ohnehin sparen muss, wagt Bier-Kruse, wie schon bei der Präsentation im Mai 2011, keine Prognose, ob und wann etwas realisiert wird.

Der Versuch selbst wurde auch mit Mitteln des Integrierten Verkehrs- und Mobilitätsmanagements Region Frankfurt Rhein-Main (ivm) ermöglicht. Untersucht haben die Wissenschaftler des Fachgebiets Verkehrsplanung und Verkehrstechnik um Professor Boltze in Offenbach zunächst die genaueren Zusammenhänge zwischen Immissionen von Stickstoffoxiden und Feinstaub und Verkehrskenngrößen wie Lkw-Anteil und der Länge von Staus an Ampeln. Der Geowissenschaftler Professor Stephan Weinbruch brachte Erkenntnisse dazu ein, wie Wetterlage und Windverhältnisse die Konzentration von Schadstoffen beeinflussen.

Stickoxide von täglich 60.000 Fahrzeugen

Für das Pilotprojekt wählte Boltze den „Hotspot“ Bieberer Straße/Rhön-/Untere Grenzstraße aus, wo die Stickoxide von täglich 60.000 Fahrzeugen für eine besonders dicke Luft sorgen. „Die Staulänge soll mit Induktionsschleifen erfasst und in Abhängigkeit von den Witterungsverhältnissen auf ein verträgliches Maß reduziert werden“, erläutert Boltze.

Wesentliches Element bei der Berechnung ist der neue städtische Verkehrsrechner. Die Darmstädter Wissenschaftler entwickelten ein Rechenmodell, das verlässliche Angaben erlaubt, wann an bestimmten Orten welche Belastung zu erwarten ist. Die Entlastung für die untere Bieberer Straße würde an ihrem oberen Ende herbeigeführt, dort wo die Bundesstraße 448 einmündet.

Das wichtigste zum Thema Stau

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Boltzes Konzept sieht vor, dass dort die Grünphase der Ampel verkürzt wird – nach den Simulationen müssten Autofahrer 40 Sekunden länger als bisher warten. Die von ihnen produzierten Schadstoffe sollen sich dann nicht in einem bewohnten Gebiet ballen, sondern im Bieberer Feld verteilen.

Am „Hotspot“ würde eine Reduzierung um etwa zehn Prozent erreicht. Damit gelten den Wissenschaftlern die regulierenden Maßnahmen als sehr effizient. Und sie könnten nach Ansicht der Darmstädter starre Fahrverbote erübrigen.

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