Sanierungen dauern länger als geplant

Offenbach - Die Sanierung und Erweiterung der Offenbacher Schulen wird nicht wie geplant 2017 abgeschlossen sein, sondern zwei bis drei Jahre länger dauern. Einige Großprojekte müssten wegen der angespannten Haushaltslage zeitlich gestreckt werden, sagt Paul-Gerhard Weiß (FDP). Von Matthias Dahmer

Weil der Schuldezernent Anfang September aufgrund geänderter politischer Mehrheitsverhältnisse aus dem Amt scheidet, legt er gestern seine letzte Jahresbilanz in Sachen Schulbauten vor: 2007 war Offenbach angetreten, mit einem 250 Millionen Euro schweren und auf zehn Jahre angelegten Programm seine Schulen auf Vordermann zu bringen. Bislang sind 165 Millionen davon verbaut, an 18 der insgesamt 27 Schulen wurde und wird in städtischer Trägerschaft saniert und erweitert.

Etwa 69 Millionen Euro stehen für Schul- und Kitabauten im diesjährigen Haushalt bereit. Zu den Großprojekten, deren Planungsbeginn wegen der Haushaltslage ins nächste Jahr verschoben ist, zählen Mathilden-, Geschwister-Scholl- und Fröbelschule. Nach vorläufigen Schätzungen verschlingen sie weitere 25 Millionen Euro.

Gesellschaftspolitisch größte Herausforderung in Offenbach

„Wir sind vorangekommen“, blickt Weiß dennoch zufrieden auf die vergangenen sechs Jahre zurück. Er bezeichnet Bildung – zu der auch adäquate Gebäude zählen – als gesellschaftspolitisch größte Herausforderung in Offenbach. Der Bedarf an Ganztagsbetreuung nehme wegen gewandelter Ansprüche im Berufsleben der Familien rasant zu, weshalb die entsprechende Ausstattung überall vorgesehen sei. Weiß hat in Statistiken geblickt und stellt fest: „Derzeit haben wir den größten Raumbedarf aller Zeiten.“ Zwar habe es Jahre mit höheren Schülerzahlen gegeben, doch da sei die erlaubte Zahl von Schülern pro Klasse größer gewesen.

Als gutes Beispiel für den „enormen Sanierungsstau“ bezeichnet Paul-Gerhard Weiß die Waldschule, wo er gestern denn auch die Jahresbilanz vorgelegt hat.

Das inmitten von altem Baumbestand im Stadtteil Tempelsee gelegene architektonische Kleinod zählt 280 Schüler, 14 Lehrer unterrichten dort. Die Grundschule wird seit dem vergangenen Jahr für 9,5 Millionen Euro umgebaut und erweitert, berichten Astrid Reese und Bernd Monath von der Projektleitung. Im nächsten Frühjahr sollen die Kinder der Grundschule, die schon jetzt auf einem naturnahen, terrassenförmig angelegten Schulhof toben können, keine Baugerüste mehr auf dem Gelände sehen müssen.

Ganztagsgebäude in Passivhausbauweise

Nachdem der Mitteltrakt aus dem Jahr 1962 saniert und ein neues Ganztagsgebäude in Passivhausbauweise geschaffen wurde, ist derzeit im letzten Bauabschnitt das markante Hauptgebäude dran. Der lichtdurchflutete Bau am Brunnenweg mit seiner filigranen Fassade und der großzügigen Aula mit ihrer ins Auge fallenden Wendeltreppe, einst von Stadtbaurat Adolf Bayer entworfen und 1950 errichtet, wird auf den Stand geltender Bauvorschriften und Technik gebracht. Unter anderem genügte die Dachkonstruktion der Aula nicht mehr den heutigen statischen Anforderungen, waren innenliegende Treppenhäuser notwendig. Wenn alles fertig ist, wird dort auch wieder der – dann mit neuen Bäumen umsäumte – Haupteingang zur Schule sein, die derzeit nur über Nebenwege zu betreten ist.

Schulleiterin Hannelore Grebe freut sich aufs Frühjahr und hat für die am Umbau Beteiligten nur lobende Worte. Unter anderem könnten anfangs noch skeptische Lehrer und Eltern nun sehen, dass der Charakter des Schulhofs erhalten geblieben sei, man die Terrassierung sogar besser als vorher hinbekommen habe.

Oberbürgermeister Horst Schneider findet es angesichts der desolaten Finanzlage der Stadt „anerkennenswert, dass die Kommunalaufsicht das Schaulbauprogramm positiv begleitet“ – also das dafür notwendige Schuldenmachen genehmigt.

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