Zivis schmerzhaft vermisst

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Durch den Wegfall der Zivildienstleistenden braucht der Ambulante Dienst des Vereins Behindertenhilfe noch Freiwillige.

Offenbach (db) - Gestärkt durch die UN-Behindertenrechtskonvention wagen immer mehr Eltern den Schritt, ihren Nachwuchs mit Behinderung für die Regelschule anzumelden.

„Vielen Eltern ist inzwischen bekannt, dass es möglich ist, den Schulbesuch des Kindes, wenn nötig, durch die Begleitung eines Integrationshelfers zu unterstützen“, erklärt Sabine Paul-Kickuth, die beim Ambulanten Dienst zuständig ist für schulische Integrationshilfe. Einen solche Unterstützung können Erziehungsberechtigte über den Verein Behindertenhilfe erhalten.

Und da gibt es für engagierte Leute einiges zu tun. Zu den Aufgaben eines Integrationshelfers gehören beispielsweise: einfache Handreichungen im Unterricht und Hilfestellungen bei sportlichen Aktivitäten, insbesondere für Kinder mit körperlichen Behinderungen, die Aufbereitung von Unterrichtsmaterialien nach Maßgabe der Fachlehrer etwa bei Schülern mit einer Sinnesbehinderung, Beaufsichtigung und Konfliktvermeidung bei herausfordernden Verhaltenweisen oder auch, für autistische Jungen und Mädchen, Einzelförderprogrammen nach Anleitung der Lehrkraft.

„Für einen Helfer ist es wichtig, dass er sich ins schulische Geschehen integriert und sich nicht ausschließlich dem Integrationskind widmet, um nicht die besondere Position des Integrationskindes weiter zu verstärken“, sagt Sabine Paul-Kickuth.

Freiwillige sind in der Nachmittagsbetreuung des Ambulanten Dienstes unverzichtbar. Seit Jahren bietet der Verein eine Nachmittagsbetreuung für Schulkinder mit Behinderung an – etwa im „Nordendtreff“.

Konzipiert ist die Betreuung für Schüler, die entweder zu alt für eine Hortbetreuung sind oder auf Grund ihrer Behinderung nicht aufgenommen werden und eine, an ihren besonderen Fähigkeiten und Interessen ausgerichtete, Betreuung benötigen. Der Wegfall des Zivildienstes ist schon jetzt schmerzhaft zu spüren. „Auch wenn die Entwicklung seit Jahren abzusehen war und der Zivildienst scheibchenweise reduziert wurde, bedeutet das endgültige Aus einen gravierenden Einschnitt für viele soziale Leistungen“, bedauert Ingrid Schmalhorst-Behrendt, Leiterin des Ambulanten Dienstes des Vereins Behindertenhilfe in Stadt und Kreis Offenbach.

„Trotz des neu eingerichteten Bundesfreiwilligendienstes fehlen vor allem junge Männer für die Tätigkeit der schulischen Integrationshilfe“, sagt Schmalhorst-Behrendt. Es sei ein Unterschied, ob ein Dienst freiwillig oder per Gesetz als Pflicht verordnet ist. „Jeder junge Mensch wird es sich dreimal überlegen, ob er oder sie bereit ist, sich ein ganzes Jahr lang in einem sozialen Bereich zu engagieren, ganz egal ob als Freiwilliger im Sozialen Jahr oder im Bundesfreiwilligendienst“, beschreibt Schmalhorst-Behrendt das Dilemma für den Verein.

Allerdings ergänzt die Leiterin des Ambulanten Dienstes, dass die Erfahrungsberichte derjenigen, die erfolgreich ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Ambulanten Dienst absolviert haben, durchaus positiv für sich sprechen: Dort konnten Kenntnisse gesammelt werden, die die jungen Leute für ihr eigenes Leben stärken und emotional reifen ließen. Sabine Paul-Kickuth versichert: „Vielen Freiwilligen half das Jahr dabei, eine eigene berufliche Perspektive zu entwickeln und das war durchaus nicht immer im sozialen Bereich. Neu ist für viele auch die Erfahrung, gebraucht zu werden, für andere Menschen Verantwortung übernehmen zu müssen. Ein wichtiger Schritt hin zum erwachsen werden.“

Aber auch Personen über 27 Jahre, die damit jenseits der Altersbegrenzung für ein FSJ sind, wird durch den Bundesfreiwilligendienst die Möglichkeit geboten, in den sozialen Bereich hineinzuschnuppern. Der Bundesfreiwilligendienst steht jedem offen, der die Vollzeitschulpflicht erfüllt hat. Eine Altersbegrenzung nach oben gibt es nicht.

Wer Interesse hat, als Integrationshelfer ein Jahr lang als Freiwilliger im Sozialen Jahr oder im Bundesfreiwilligendienst die Arbeit zu unterstützen, erkundigt sich unter s  069   8 09 09 69 24 oder per E-Mail: i.schmalhorst@behindertenhilfe-offenbach.de

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