Gesundheitstage am Klinikum: Zuckersüße Operation

Offenbach - Unterm T-Shirt wölbt sich in Bauchhöhe der Verband, die von überstandener Operation zeugenden Zugänge für Kanülen stecken noch im linken Unterarm. „Die Galle“, sagt der durchtrainierte, noch ein wenig angeschlagene Mittfünziger, der am Nebeneingang steht. Von Matthias Dahmer

Kamen ganz plötzlich, die Schmerzen, aber am Dienstag, wird er wieder entlassen.  Der Gallenpatient ist nur Zuschauer des Trubels, der gestern am Klinikum Offenbach herrscht. Tag der offenen Tür ist angesagt am Starkenburgring. Das in jüngster Vergangenheit nicht gerade mit positiven Nachrichten glänzende Stadtkrankenhaus hat ein Programm auf die Beine gestellt, das sich sehen lassen kann. Es ist die Leistungsschau einer Einrichtung, die üblicherweise niemand gerne besucht, über deren Existenz aber jeder froh ist, der sie benötigt.

Tausende nutzen das Angebot des Gesundheitstags. Und weil Gesundheit nicht nur ein hohes Gut, sondern in diesen Zeiten auch ein Politikum ist, spricht Offenbachs Mann in Wiesbaden, Hessens Sozialminister Stefan Grüttner, zur Begrüßung. Als „bekennender Offenbacher“ lobt er das Klinikum zunächst als ein „leistungsfähiges Krankhaus“. Er weist aber zugleich darauf hin, dass die Einrichtungen in kommunaler Trägerschaft mit strukturell bedingten Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Ende Juli, Anfang August, sagt der Gesundheitsminister, werde er ein Konzepts vorlegen, wie ein Verbund kommunaler Kliniken aussehen könnte.

„Wir sind wirtschaftlicher geworden“

Holger Renke setzt Hoffnungen in einen solchen Verbund. Die Belegschaft sei zwar immer noch skeptisch, doch „wir sind auch vorsichtig optimistisch und hoffen, dass das Konzept tragfähig ist“, kommentiert der Betriebsratsvorsitzende des Klinikums später Grüttners Worte.

Mut macht Klinik-Chefin Franziska Mecke-Bilz in ihrer Ansprache: Man habe die Türen heute weit geöffnet, weil sich das Klinikum nicht zu verstecken brauche. Effizienz und Qualität seien kein Widerspruch, gerade in Sachen Effizienz habe sich etwas getan. „Kürzere Wartezeiten, ein optimiertes Bettenmanagement, wir sind wirtschaftlicher geworden“, sagt Mecke-Bilz. Im zweiten Halbjahr, so die Geschäftsführerin, werde der Schwerpunkt auf die Zufriedenheit von Patienten und Mitarbeitern gelegt. Das Motto der Initiative laute: „Mein KliO“.

Mit Blick auf das vom Sozialminister angekündigte Konzept signalisiert Mecke-Bilz, Offenbach sei bereit, die „Keimzelle eines kommunalen Verbunds zu bilden.“

„Es bedarf schon einiger Übung“

„Versuchen Sie es mal.“ Dr. Jens Krosse reicht der Besucherin das OP-Besteck. Das besteht in diesem Fall aus zwei, Grillzangen nicht unähnlichen, Werkzeugen. Daumen und Ringfinger werden durch die beiden Ösen gesteckt, mit dem Zeigefinger kann ein Rädchen bedient werden, und los geht’s. Krosse steht in einem Behandlungszimmer im ersten Stock, der Patient ist bei diesem simulierten minimal-invasiven Eingriff eine durchsichtige Kunstoffbox mit leicht gewölbter und mit mehreren Löchern versehener Oberseite, welche die Bauchdecke sein soll. Durch sie werden die Zangen eingeführt, mit deren Hilfe auf dem Boden der Box liegende Zuckerstückchen geangelt werden müssen. Sie stellen das bei einer echten OP zu entfernende Gewebe dar.

Bilder vom Gesundheitstag

Gesundheitstage am Klinikum

Es ist ein mühseliges Geschäft, den meisten gelingt es nicht, die Zuckerstückchen zu erwischen. Zumal der direkte Blick aufs Objekt normalerweise nicht möglich ist, nur ein Monitor weist den Weg. „Es bedarf schon einiger Übung, bis man das beherrscht“, meint Krosse. Standardoperationen mit dieser Technik, sagt der Arzt, seien etwa Eingriffe bei gutartigen Erkrankungen der Eierstöcke.

Entspannte Atmosphäre

Mit den meist erfreulicheren Seiten der Medizin haben die beiden Schwestern zu tun, die den Berichterstatter vor einem Tisch mit Alete, Milupa und sonstigen Unverzichtbarkeiten für den jüngsten Nachwuchs in den Kreißsaal locken wollen. Der wehrt, froh über längst verjährte Erfahrungen mit dem Drumherum einer Geburt, die Einladung dankend ab. „Dann nehmen Sie wenigstens das Fläschchen Massageöl mit und massieren Ihre Frau heute Abend in der Halbzeitpause“ – die Freundlichkeitoffensive der neuen Klinikleitung zeigt offenbar schon Wirkung.

Überhaupt ist die Atmosphäre entspannt beim Tag der offenen Tür. Rege werden die Angebote genutzt: Messung von Blutdruck, Cholesterin und Lungenfunktion, begehbare Modelle von Darm und Gefäßen, Besichtigung des Johanniter-Hubschraubers, Vorträge, Vorführungen und und und – unmöglich aufzuzählen, was das Krankenhaus den Offenbacher gestern alles zu bieten hat.

Rubriklistenbild: © Georg

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