Frauenhaus in Offenbach

Zufluchtsort vor der Gewalt

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Sein Standort ist geheim, seine Arbeit umso wichtiger: Seit 20 Jahren gibt es in Offenbach ein Frauenhaus. Zuständig dafür ist der Verein Frauen helfen Frauen. Margareta Sticksel freut sich auf die musikalische und komödiantische Veranstaltung im Wiener Hof anlässlich 20 Jahre Frauenhaus.

Offenbach - Es ist eine Zuflucht, ein sicherer Ort, an dem geschlagene und misshandelte Frauen und ihre Kinder zur Ruhe kommen, weg von ihrem Peiniger: das Offenbacher Frauenhaus. Vor genau 20 Jahren hat es der Verein Frauen helfen Frauen gegründet. Von Veronika Schade

Wo es sich befindet, wissen nur Eingeweihte – der Schutz der Bewohnerinnen hat Priorität. Die Idee eines Frauenhauses in Offenbach ist viel älter. Schon in den 70er Jahren haben sich Frauen parteiübergreifend im Verein „Ein Frauenhaus für Offenbach“ zusammengeschlossen, konnten aber trotz langen Kampfes auf politischer Ebene keine Einigung erreichen und lösten ihn auf. 1985 gründete sich ein neuer Verein mit gleicher Satzung und Namen, 1990 wurde die erste Frauenberatungsstelle eröffnet. Eine wichtige Unterstützerin der Frauen bei ihrem Kampf war Offenbachs erste Frauenbeauftragte Ilona Hakert. 1992 stellte die Stadt ein Gebäude zur Verfügung, der Vereinsname wurde in Frauen helfen Frauen geändert. Eröffnet wurde das Frauenhaus 1993.

Der Verein beschäftigt sechs pädagogische Mitarbeiterinnen, eine Hausmeisterin und drei Honorarkräfte. Das Frauenhaus hat 32 Plätze, zwischen 60 und 70 Frauen kommen dort im Jahr unter. „Einen Rechtsanspruch auf einen Platz gibt es nicht, es ist eine freiwillige Leistung der Stadt“, sagt Vorstandsmitglied Margareta Sticksel. Offenbach bekommt Landesgelder und leistet einen eigenen Zuschuss. Trotzdem – ohne Spenden geht es nicht.

Aufnahme der letzte Ausweg

Für viele Frauen ist die Aufnahme der letzte Ausweg. Telefonisch analysieren die Mitarbeiterinnen zunächst die Gefahr, in der sich die Frau befindet. Bei hoher Gefährdung wird sie umgehend aufgenommen. Ist kein Platz frei, kommt sie in eine Notunterkunft und wird danach in ein Frauenhaus in einer anderen Stadt verwiesen – dies biete ihr zudem mehr Schutz vor ihrem Partner. Die Frauen haben psychische und körperliche Gewalt erfahren, wurden gedemütigt und geschlagen. „Es sind die Kleinigkeiten im Alltag, die zur Eskalation führen“, sagt Sticksel. Das könne ein tief ausgeschnittener Pullover sein oder eine „falsche“ Zutat in der Suppe. „Typisch für viele Frauen ist, dass sie diese Dinge vermeiden und sich selbst die Schuld geben, wenn der Mann ausrastet.“

Für Frauen, die über Jahre misshandelt wurden, sei eine Trennung oft die einzige Möglichkeit. „Sie haben kaum Selbstwertgefühl. Wir müssen sie erst mal so weit stabilisieren, dass sie überhaupt allein leben können“, berichtet die 49-Jährige. Die Mitarbeiterinnen helfen bei Amtserledigungen, mit Terminen beim Rechtsanwalt oder Ärzten. „Frauen mit immensen Gewalterfahrungen haben ein geschwächtes Immunsystem“, sagt Sticksel. Durch ihre gesundheitlichen Einschränkungen entstünden hohe Folgekosten – ein Aspekt häuslicher Gewalt, der kaum beachtet werde.

In großer Not sind immer die Kinder

In großer Not sind immer die Kinder. „Sie kriegen mit, wenn der Vater die Mutter schlägt, selbst wenn das hinter geschlossener Tür passiert.“ Im Frauenhaus werden sie, ebenso wie ihre Mütter, beraten und gegebenenfalls in eine Therapie vermittelt. Auch Kinder aus anderen Städten gehen schnell wieder zur Schule. „Es ist wichtig, dass sie ein Stück Alltag und Normalität haben“, weiß das Vorstandsmitglied. „Doch sie dürfen niemandem verraten, wo sie wohnen. Und richtige Rückzugsmöglichkeiten haben sie im Haus nicht.“

Daher ist der Aufenthalt dort nur eine Übergangslösung. Die Frauen bleiben meist einige Monate, bis ihre Situation sich stabilisisert hat und sie eine Wohnung gefunden haben. Doch eine Bewohnerin sucht seit mehr als einem Jahr vergeblich: „Eine alleinerziehende Mutter mit vier Kindern hat kaum Chancen“, bedauert Sticksel.

So belastend die Arbeit im Frauenhaus für die Mitarbeiterinnen sein kann, so groß ist die Belohnung. „Es ist wunderbar, wenn man eine Frau wiedertrifft, die wieder ein normales Leben führt, glücklich ist und einen zum Kaffee einlädt.“ Kabarettabend zugunsten des Frauenhauses mit Henni Nachtsheim (Badesalz) und Ali Neander (Rodgau Monotones) am Freitag, 8. November, 20.30 Uhr im Wiener Hof (Langener Straße 23). Karten gibt es in den OF-Infocentern (Salzgässchen 1; Ringcenter) und im Wiener Hof. Weitere Informationen: www.frauenhaus-offenbach.de.

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