Zuhause wird selbst geputzt

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Ursula Ölcer ist Geschäftsfrau, Hausfrau und Mutter mit zahlreichen Ehrenämtern: „Das geht nur mit straffer Organisation“, sagt sie.

Offenbach - Seit fast 25 Jahren beschäftigt sich Ursula Ölcer beruflich mit dem Reinigen, seit zehn Jahren trägt ihr zur Offenbacher Dienstleistungs-GmbH (ODG) umfirmiertes Unternehmen die Stadt im Namen, die ihr am Herzen liegt. Von Simone Weil

„Hier zahle ich Steuern, hier wohne ich, hier fühle ich mich wohl. “.

Das „Bernemer Mädsche“ aus dem Frankfurter Stadtteil Bornheim hat es wegen einer schönen Wohnung 1980 nach Offenbach verschlagen. Als gelernte Bankkauffrau wechselte sie über Umwege zur Gebäudereinigung. Damit ihr in dem Metier keiner etwas vormachen kann, hat die Geschäftsfrau noch eine zweite Ausbildung zur Reinigungskraft hinter sich gebracht. Da war sie schon „gut 40“ und hat zweieinhalb Jahre lang neben dem Geschäft die Schulbank gedrückt, um den Gesellenbrief zu machen: „Am ersten Tag sind alle aufgestanden, weil sie dachten, ich wäre die Lehrerin“, sagt sie.

Sie wird nicht müde, für ihren Berufszweig zu werben - sie ist übrigens auch oft in Schulen unterwegs, um den Nachwuchs zu überzeugen: „Wir sind das einzige Handwerk, in dem man ohne Schulabschluss eine Ausbildung und den Meister machen und sogar studieren kann.“

Ursula Ölcer ist sicher, dass das Reinemachen interessanter und anspruchsvoller ist, als es auf den ersten Blick scheint. Immerhin ist der Umgang mit den verschiedenen Reingungsmitteln nicht ganz ohne, man muss schon wissen, was man tut und wie man was anwendet. Technische Neuerungen und spezielle Verfahren kommen hinzu. Schließlich heißt der Slogan ihrer Firma: „Wir putzen nicht, wir reinigen.“ „Putzen kann jeder“, erklärt die Unternehmerin. Professionelles Saubermachen sei etwas anderes.

Etwa 100 Mitarbeiter beschäftigt die 62-Jährige, viele arbeiten übrigens seit mehr als 15 Jahren für sie. Wichtig ist der Chefin des mehrfach zertifizierten Innungsbetriebs in der Luisenstraße, dass ihre Angestellten nach Tarif bezahlt werden. Trotzdem sei es nicht eben gerade viel, wenn diese knapp 1 500 Euro im Monat verdienten. „Deswegen haben viele noch einen Nebenjob“, weiß Ursula Ölcer, die oft die Familienverhältnisse gut kennt. Der Markt sei hart umkämpft, aber „Dumpingpreise gibt es mit mir nicht“, sagt sie.

Großen Wert wird auf die intensive Einarbeitung der Mitarbeiter gelegt. Dabei ist die Unternehmerin sich trotz Schmuck und sorgfältig gewählter Kleidung nicht zu fein, auch mal zu demonstrieren, wie das Klo ordentlich geputzt wird.

Zu den Aufgaben, die ihre ODG übernimmt, zählen sogenannte Unterhalts-, Glas-, Bauend- und Industriereinigung. Grünpflege, Winter- und Hausmeisterdienste kommen hinzu. Vorzeigekunden sind zum Beispiel das Frankfurter Polizeipräsidium. Dort werden täglich 75 000 Quadratmeter gereinigt. In AOK-Geschäftsstellen, bei der Flugsicherung Langen, in Frankfurter Kitas und im Ringcenter Offenbach legen ODG-Mitarbeiter Hand an. Insgesamt sind es fast zwei Millionen Quadratmeter, für deren Sauberkeit die Offenbacher Firma zuständig ist. „Wir kommen aber auch zu Privatleuten“, sagt Ursula Ölcer, die zuhause übrigens selbst putzt. Ein bisschen stolz ist die Geschäftsfrau auf den eigenen Betrieb. „Das geht nur mit straffer Organisation“, sagt sie.

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