Radfahrschule in der Messehalle

Für Zukunft als Fahrradstadt

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Der frühere Oberbürgermeister Walter Buckpesch (zweiter von links) spendete sein Fahrrad der neuen Radfahrschule als erstes Lehrfahrrad. Links der amtierende OB Horst Schneider, daneben die früheren Amtsinhaber Gerhard Grandke und Wolfgang Reuter.

Offenbach - Radfahren erfreut sich immer größerer Beliebtheit, Offenbach hat Ambitionen zur Fahrradstadt. Auf diesem Weg ist ein weiterer wichtiger Schritt genommen: In den Messehallen bietet ab sofort eine Radfahrschule Lehrgänge für Menschen jeden Alters und Herkunft an. Von Veronika Schade 

Viele Kilometer hat Walter Buckpesch mit seinem Fahrrad zurückgelegt. „Ich bin oft auf die Rosenhöhe gefahren, habe aber auch längere Ausflüge unternommen“, erzählt der ehemalige Oberbürgermeister (1974-1980) mit Blick auf den dunkelblau glänzenden Drahtesel. „Irgendwann in den 90ern“ hat er ihn erworben, stets gut gepflegt. Mittlerweile aber verlässt sich der 91-Jährige aus Altersgründen lieber auf vierrädrigen, motorisierten Untersatz. Da sein Fahrrad zwei Jahre in der Garage stand, fällt der Abschied nicht ganz so schwer. Schließlich dient er einem guten Zweck: Buckpeschs früherer Gefährte ist nun das erste Lehrfahrrad der neuen Offenbacher Radfahrschule. Mit dieser Spende wurde sie gestern offiziell eröffnet.

„Eine sinnvolle Einrichtung auf dem Weg zur Fahrradstadt“, findet der Alt-OB und erhält Zustimmung von seinen Nachfolgern Wolfgang Reuter, Gerhard Grandke und dem amtierenden OB und überzeugten Radfahrer Horst Schneider, die allesamt aus diesem Anlass in die Offenbacher Messehallen gekommen sind. Dort wird die Radfahrschule beheimatet sein und es Menschen – egal welchen Alters oder Herkunft – ermöglichen, Zugang zum Fahrrad zu bekommen. Ihr Initiator ist Jürgen Blümmel, Inhaber des Radladens Artefakt am Starkenburgring. „Innerhalb der Kampagne ,Offenbacher aufs Rad‘ haben sich verschiedene Kursangebote entwickelt, etwa für Kinder im KJK Sandgasse oder für Frauen mit Migrationshintergrund, organisiert vom Umweltamt“, berichtet er. „Doch eine zentrale Stelle, die alles koordiniert, fehlte bisher.“ So sei er auf die Idee gekommen, seinen Laden zu dieser Schnittstelle zu machen. Er ließ seine Kontakte spielen – mit Erfolg. „Durch reden wird vieles möglich, das ist typisch für Offenbach“, freut er sich.

Es fehlte nur noch der richtige Ort

Es fehlte nur noch der richtige Ort. Passenderweise suchte gerade der Lions-Club nach einem neuen Austragungsort für seinen jährlichen Fahrradbasar. Bei Arnd Hinrich Kappe, Geschäftsführer der Messe Offenbach, stieß er auf offene Ohren. Gemeinsam entwickelten sie die Ausstellung „Fahrradkultur Rhein-Main“, die sie mit dem Basar verbanden (dazu folgt Bericht morgen) und an deren Erstauflage sich zehn lokale Aussteller beteiligt haben. „Ein zukunftsfähiges Thema“, ist sich Kappe sicher. So gefiel ihm auch die Idee, die Radfahrschule dort unterzubringen. Eine der Hallen steht ihr ab sofort kostenlos zur Verfügung. „Sie stand sowieso leer“, sagt der Messechef und findet: „Das ist ein idealer Ort dafür. Man ist wetterunabhängig und steht nicht unter Beobachtung, die Lage ist dabei zentral.“

Neben den Lehrgängen für Kinder und Frauen mit Migrationshintergrund sollen Fahrsicherheitstrainings für Erwachsene und Senioren angeboten werden. Außerdem wollen Radsportvereine ein Techniktraining für Jugendliche anbieten. Finanziell unterstützt wird die Schule vom Rad- und Kraftfahrerbund Solidarität Deutschland, der seinen Sitz in Offenbach, aber keine lokale Ortsgruppe hat. Initiator Blümmel will einen Förderverein gründen, der dem Netzwerk rund ums Fahrrad zugute kommen soll: „Mit dem Fahrradfahren lernen ist es noch nicht erledigt. Man muss sich ja auch um das Rad kümmern, kleine Reparaturen beherrschen. Das System greift eng ineinander.“ Er möchte im Stadtteilbüro Senefelderquartier eine Selbsthilfewerkstatt einrichten, in der sich Radfahrer mit Rat und Hilfe zur Seite stehen. Spenden für Fahrrad-Ersatzteile sind willkommen.

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Auch Fahrräder braucht Blümmel noch für die Radfahrschule. „Nicht jedes eignet sich für diese Zwecke“, weiß er. Höchstens zehn sollen es werden, um die Gruppengröße überschaubar zu halten. „Zunächst stellt mein Laden ein sinnvolles Sortiment zur Verfügung.“ Alt-OB Buckpesch schmunzelt und erinnert sich: „Ich habe als Vierjähriger auf einem Fahrrad für Erwachsene fahren gelernt. An die Pedale habe ich Holzklötzchen gemacht, um mit den Füßen dran zu kommen.“ Offenbach habe Potenzial zur Fahrradstadt. „Aber es müsste mehr geschützte Radwege geben. Für Autofahrer sind Radfahrer immer im Weg.“ Deshalb plant Blümmel eine Kampagne für mehr Freundlichkeit im Straßenverkehr – und mehr: Im Juli das Sport- und Kulturfest „Rad, Wein und Gesang“ sowie 2016 die Neuorganisation des traditionellen Volksradfahrens in Offenbach.

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