Masterplan für die City

Zukunft der Innenstadt: Kriminalität ist kein Thema

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Auftakt für die Beteiligung der Öffentlichkeit am Zukunftskonzept Innenstadt: In der 30. Etage des City-Towers kamen mehr als 200 Interessierte zusammen. Wichtig: Es war die notwendige Mischung aus Jung und Alt.

Offenbach –  Das Interesse an der Zukunft der Innenstadt ist groß: Mehr als 200 Offenbacher machen am Donnerstagabend mit bei der Auftaktveranstaltung zum Masterplan für die City. Und: Es sind nicht nur die üblichen Verdächtigen. Von Matthias Dahmer 

Die unerwartet große Resonanz auf den Ort zurückzuführen, würde der Sache nicht gerecht werden. Zwar macht der 30. Stock des City Towers mit seinem selbst am späten Abend spektakulären Ausblick ziemlich viel her. Aber im Mittelpunkt des Interesses steht eindeutig das, was die Zukunftsmacher des vom IHK-Verein „Offenbach offensiv“ und Stadt beauftragten Hamburger Planungsbüros urbanista sich ausgedacht hatten.

Noch vor der offiziellen Eröffnung stürzen sich die Besucher auf die fünf aufgebauten Mitmach-Stationen, wo kreativ das abgefragt wird, was den Planern als Grundlage für ihr weiteres Vorgehen dienen soll.

Die Fragebogen zur Entwicklung der Innenstadt sind schnell vergriffen.

Was sind die größten Probleme der Innenstadt? Wie kann man sie anpacken? Mit wem steht die Offenbacher Innenstadt im regionalen Wettbewerb? Zu welchem Zweck besuchen die Offenba- cher ihre City? Mit welchen Verkehrsmitteln erreichen sie diese? Fünf Fragen, die an den pausenlos umlagerten Stationen spielerisch beantwortet werden sollten. Erwartbares ergibt sich schon nach kurzer Zeit bei der Abfrage der Probleme: Die meisten roten Punkte auf der Tafel zieren die Kästchen zu Qualität und Sortiment der Läden und zum Erscheinungsbild des öffentlichen Raums. Überraschend: Im auch wählbaren Problemfeld Kriminalität sind nur wenige rote Aufkleber platziert, sie spielt offenbar so gut wie gar keine Rolle.

Auch bei der Konkurrenz-Station Vorhersehbares: Als Einkaufsziel beliebt sind in absteigender Reihenfolge die Frankfurter Innenstadt, Main-Taunus- und IsenburgZentrum sowie das Hessen-Center. Passend dazu haben in der Offenbacher Innenstadt andere Aktivitäten Priorität. Arztbesuche oder Essengehen zum Beispiel.

Ermittelt werden diese Vorlieben an der Station Nummer vier auch wieder spielerisch kreativ: Mehr als 20 Tätigkeiten sind auf Zetteln notiert, die auf einem großen Tisch angeordnet sind. Vor jedem Zettel ein Glas, das mit einer Kaffeebohne gefüllt wird, wenn die entsprechende Aktivität zutrifft.

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Bunte Wollfäden markieren schließlich an Station fünf, auf welchem Weg und mit welchem Verkehrsmittel die Offenbacher ihre Innenstadt erreichen beziehungsweise sich in ihr bewegen. Hier zeigt sich: Die City halten viele für gut erreichbar, es dominieren Rad und Schusters Rappen, was angesichts der (fast autofreien) Fußgängerzone indes nicht verwundert. Begleitend zu den Stationen können die Besucher einen Fragebogen ausfüllen, der vertiefende Fragestellungen erhielt.

Zum offiziellen Beginn haben Frank Achenbach, Geschäftsführer von „Offenbach offensiv“, und urbanista-Chef Julian Petrin auf die öffentliche Mitmach-Werkstatt eingestimmt: Noch vor fünf Jahren sei überall zu hören gewesen, mit Offenbach gehe es bergab, so Achenbach. Diese Sichtweise habe sich deutlich verändert. Und mit dem Zukunftskonzept sei man bundesweit weit vorne, was das nötige Umdenken für die Innenstadt angehe.

Mit welchen Mitteln lässt sich die Offenbacher Innenstadt verändern?

Julian Petrin zitiert aus einer kürzlich veröffentlichten Studie, wonach Innenstädte bundesweit nur mittelmäßige Noten bekommen hätten. „Innenstädte sind im Wandel, überall in Deutschland“, so der Planer. Offenbach habe die Besonderheit, in der Boom-Region Rhein-Main zu liegen. Derzeit würden Angebot und Nachfrage aber nicht mehr zusammenpassen, weshalb ein Wandel, der durchaus schmerzhaft werden könne, unumgänglich sei. „Die Zeiten der Versorgungs-Innenstadt der 70er- und 80er Jahre sind vorbei“ ist sich Petrin sicher. Man brauche eine neue „Erzählung“ für die City. Diese beinhalte mehr Wohnen, mehr Kultur und andere Angebote.

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Die Ergebnisse der Auftaktveranstaltung werden von urbanista nun ausgewertet. Die zweite öffentliche Werkstatt sei für Anfang April geplant, kündigt Birgitt Möbus von der Wirtschaftsförderung, die für die Stadt den Planungsprozess zum Zukunftskonzept federführend begleitet, an.

Mit Legosteinen markieren die Besucher, wo sie in der Region einkaufen gehen.

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