Zukunft der Pferdekoppel weiter ungewiss

Ans Aufgeben noch nicht zu denken

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Sabine Cinner kümmert sich täglich um die Pferde. Seit mehr als einem Jahr kämpft sie mit Pächter Gerhard Niewiera gegen die geplante Räumung der Koppel.

Bieber - Die Erdhügel sind fast weg. Von der Obermühle aus ist die freie Sicht auf die Pferdekoppel noch ungewohnt. Auf der Anlage selbst bietet sich das vertraute Bild der Pferde Paddy, Primos und Hexe, die ihr Heu aus einem Anhänger mampfen. Von Veronika Schade 

Doch dies ist möglicherweise bald Vergangenheit. Trotz der seit mehr als einem Jahr andauernden Bemühungen von Pächter Gerhard Niewiera und seiner Mitstreiterin Sabine Cinner, verbunden mit einer öffentlichkeitswirksamen Unterschriftenaktion, bei der mehr als 1000 Menschen für die Erhaltung signiert haben, beharrt die Stadt auf ihrem Standpunkt: Die Pferdehaltung auf dem Gelände ist rechtswidrig, die Koppel soll geräumt werden.

„Neben den rechtlichen Aspekten gibt es Bedenken bezüglich der Haltung der Pferde“, sagt Bürgermeister Peter Schneider (Grüne). Vor kurzem war das Veterinäramt zu Besuch. „Wir führen dort regelmäßig engmaschige Kontrollen durch, weil die Bedingungen nicht optimal sind“ so der stellvertretende Amtsleiter Manfred Ginder. „Das ist dem Halter bewusst.“

Bürger hätten sich beschwert, weil die Pferde bei Wind und Wetter draußen stünden, wenig gefüttert und an Husten sowie wegen des schlammigen Bodens an Strahlfäule leiden würden. „Die Vorwürfe konnten wir durch Demonstration am lebenden Objekt widerlegen“, sagt Cinner, „nur die Husteninfektion traf zu und wurde von uns bereits zu dem Zeitpunkt behandelt.“ Doch das Amt habe deutlich gemacht, dass eine Räumung bevorstehe. „Es hieß sogar, der Abriss sei schon finanziert.“ Sofern sich kein Platz für die Pferde findet, würden sie beschlagnahmt. „Für meine Hexe habe ich ab Frühjahr einen neuen Stall gefunden, für die beiden anderen Pferde gibt es Interessenten“, sagt die Halterin.

„Für 2014 ist die Pacht schon bezahlt“

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Doch ans Aufgeben ist für sie noch nicht zu denken, ebenso wenig für Niewiera: „Für 2014 ist die Pacht schon bezahlt.“ Nächstes Jahr ist er seit genau 40 Jahren dort. „Ich weiß noch genau, wie ich meinen ersten Pfosten reingehauen habe“, erzählt er, kann die Trauer kaum verbergen. Mut gibt ihm und Cinner, dass es immer noch Menschen gibt, die fragen, wie es weitergeht, ob es Möglichkeiten zur Unterstützung gibt, die Futter für die Pferde und Katzen bringen. „Wenn wir einen Wunsch frei hätten, wäre es die Duldung.“ Außerdem brauchen sie tatkräftige Unterstützung bei dringenden Reparaturen und einen Reiter für Paddy. Besondere Wünsche seien „eine naturnähere Landwirtschaft in der Nachbarschaft“ und der Erwerb des von der Firma Bonifer an die Stadt verkauften Nachbargrundstücks.

Niewiera hat, um die Pferdehaltung nachträglich zu legitimieren, einen Bauantrag gestellt, was nicht einfach war: Die ursprünglichen Eigentümer, von denen er die Grundstücke gepachtet habe und die der Nutzung zur Pferdehaltung und der Errichtung der Ställe zugestimmt hätten, sind verstorben.

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Trotz aller Anstrengungen und Träume: „Unsere Chancen, noch was zu erreichen, tendieren gegen Null“, fürchtet Cinner. Große Sorgen bereitet ihr das Schicksal der 13 Katzen, die ständige Gäste sind: „Ihre Zukunft will die Stadt mir überlassen. Es seien keine Streuner mehr, weil ich sie so lange gepflegt habe.“ Wenn die „Ranch“ nicht mehr existiere, könne sie unmöglich weiter täglich die Katzen dort versorgen. Sie sucht für den „Katzennotbetrieb“ Tierfreunde aus Bieber, die isolierte Katzenhäuser für den Winter stiften, für Wasser sorgen und Fütterungen übernehmen können. „Vielleicht findet sich ein Unterschlupf in einem Kleingarten, oder es meldet sich sogar jemand, der einen Freilauf-Platz hat.“ Für Gespräche, auch für kritische Stimmen, sei sie immer offen.

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