Die Zukunft der Schulen - alte Probleme, alter Diskurs

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Volker Stürzer: Flammender Appell für integrierte Gesamtschulen.

Offenbach - (ddü) Die Pisa-Studien haben gezeigt, dass im deutschen Bildungssystem so einiges im Argen liegt - seit Jahren beherrscht die Schulpolitik die öffentliche Debatte. Doch welche Konzepte sind geeignet, das System so umzugestalten, dass die Schulen in der Lage sind, Kinder und Jugendliche optimal zu fördern?

Auf Einladung der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) diskutierten Experten aus Wissenschaft und Praxis über die Zukunft der Schule.

Eine flammende Rede für die flächendeckende Einführung der integrierten Gesamtschule und den Ausbau der Ganztagsangebote hielt der Leiter der Edith-Stein-Schule, Volker Stürzer. In Hessen sei die Diskussion rein ideologisch geprägt, dabei gingen Schulpreise auf nationaler und internationaler Ebene regelmäßig an Einrichtungen, die beides verbinden. Bei einer Reise nach Finnland habe er gesehen, was ein erfolgreiches Schulkonzept ausmacht: Ein engmaschiges Netz aus Lehrern, Sozialarbeitern und Psychologen greife ein, sobald bei einem Schüler das kleinste Problem auftauche. Mit dem ihm zur Verfügung stehenden Personal lasse sich ein solches System jedoch nicht aufbauen. „Ich brauche endlich eine Lehrerzuweisung, die der Sozialstruktur meiner Schülerschaft angemessen ist“, forderte Stürzer. Schließlich belege Offenbach hier weit abgeschlagen den letzten Platz in ganz Hessen.

„Bildung ist unsere größte Ressource, aber sie wird immer noch stiefmütterlich behandelt“, sagte die Leiterin des hessischen FES-Büros, Nicole Nestler, zu Beginn in der Volkshochschule. Heike Habermann, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im hessischen Landtag, betonte, dass das Thema Bildung gerade in Offenbach besonders brisant sei. Entgegen dem bundesweiten Trend stiegen die Schülerzahlen in Offenbach in den kommenden Jahren weiter an. Zudem stünden die Schulen wegen der Zusammensetzung der Schülerschaft – viele stammen aus Zuwandererfamilien oder kommen aus bildungsfernen Schichten – vor speziellen Herausforderungen.

Gabriele Bellenberg, Professorin für Schulforschung an der Uni Bochum, erläuterte den aktuellen Stand der Wissenschaft und formulierte Forderungen an die Politik. So sei es erwiesen, dass Ganztagsschulen dabei helfen, den Zusammenhang von Bildungserfolg und sozialer Herkunft aufzubrechen und so auch benachteiligten Schülern eine Chance zu geben. „Das Halbtagsmodell ist überholt – wir müssen Schule als Lebensraum für Kinder und Jugendliche begreifen“, so Bellenberg. Zudem gelte es, möglichst heterogene Klassenverbände zu schaffen, in denen die guten Schüler die schwächeren mitziehen.

Gerade in Hauptschulen mit vielen leistungsschwachen Schülern lasse sich eine doppelte Benachteiligung beobachten – das Niveau bleibe noch hinter den objektiv erwartbaren Leistungen der Einzelnen zurück. Die Professorin plädierte für den Aufbau von Unterstützungssystemen durch die Bundesländer, die es etwa ermöglichen, bei Bedarf zusätzliche Förderlehrer in einzelne Schulen zu schicken. Franco Marincola, Vorsitzender des CGIL-Bildungswerks, forderte, die Potentiale von Zuwanderern wie die Zweisprachigkeit besser zu nutzen und die Schulen zu einem Ort der Integration zu machen.

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