Zukunftsblick in den Kochtopf

+
Um einem Ausbildungsrestaurant nach Koch Kiekebuschs Vorstellungen zum Erfolg zu verhelfen, müssten alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Und der sollte stabiler sein als hier in der Bachschule die Pasta aus Eigenproduktion.

Offenbach -  Kleine Brötchen backen, das ist einfach nicht Alfons Lorenz von Kiekebuschs Art. Vielleicht mal als Vorspiel zu einem schönen Menü oder zu einem Salat, das schon. Von Marcus Reinsch

Aber sobald es gilt, anderen Menschen eine Idee wie die Gründung eines Ausbildungsrestaurants für sonst chancenlose Jugendliche schmackhaft zu machen, nimmt „Schaumahl“-Koch Kiekebusch lieber von allem ein bisschen mehr.

Und so liest sich schon die Liste der personellen Zutaten für sein Projekt „(Kochen) Lernen mit Respekt und Toleranz“ wie ein Wer-ist-Wer der hiesigen Einflussreichen. Alle wichtigen Standards sind dabei. Der Hessische Sparkassenpräsident und Ex-Oberbürgermeister Gerhard Grandke, der aktuelle OB Horst Schneider (SPD), Bürgermeisterin Birgit Simon (Grüne), Staatssekretär Stefan Grüttner (CDU), Stadtrat Paul-Gerhard Weiß (FDP), Eva Dude als Hauptgeschäftsführerin der Offenbacher Industrie- und Handelskammer, der Lions-Club als Pate, der „respekt of“-Herausgeber Peter Heßler, Wochenmarktbeschicker, Finanzmenschen, Kulturleute, Köche natürlich. Wie Hefe sollen sie wirken, diese und andere Namen und ihre Funktionen, auf dass „die Bewegung“, so nennt Kiekebusch die Sache, aufgehen und dazu einladen möge, sich eine Scheibe abzuschneiden.

Bewegen muss sich tatsächlich vieles. Vor allem die Kasse des Gemeinnütziges Bildungswerks, das an diesem Wochenende offiziell als Verein starten will. Denn ein Ausbildungsrestaurant gibt es noch nicht, nicht mal ein Objekt, das bezahlbar wäre, obgleich Kiekebusch seine Blicke schon „zwischen Frankfurter Straße und Wilhelmsplatz“ fixiert hat. Aber anderthalb Millionen Euro für Gebäude, Küche, anzustellende Köche - sehr grob geschätzt -, die lassen sich nicht aus dem Hut zaubern. Später, das ist der Grundgedanke, soll das über eine Stiftung zu betreibende Restaurant wirklich wie eins arbeiten. Nach marktwirtschaftlichen Prinzipien, also gewinnorientiert.

Die 15 Jugendlichen, die hier drei Jahre lang in den Disziplinen Kochen, Kellnern, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Toleranz und Respekt ausgebildet werden sollen, könnten zahlende Gäste bekochen und bedienen, vielleicht auch Büros, Kindergärten oder andere Institutionen beliefern und in der Häppchenbranche mitmischen. Keine hochtrabende Küchenkunst müsse das sein, sagt Kiekebusch, eine kleine Karte reiche vollkommen. Aber, da ist er Fundamentalist, „ausschließlich mit frischen Zutaten“.

Solche „pädagogische oder berufsorientierende Arbeit“ sei elementar. Das hat der Koch nicht aus Statistiken, sondern aus seinem wöchentlichen Koch- und Ernährungsunterricht in der Reuter-, Schiller- und Bachschule. Und so gilt seine Sorge vor allem „Jugendlichen aus bildungsschwachen und sozial schwächeren Familien sowie aus Familien mit Migrationshintergrund, bei denen sprachliche Schwierigkeiten den Zugang zu gesellschaftlicher Anerkennung erschweren“.

Den Schulunterricht für 15-Jährige will Kiekebusch ausdehnen, das zuerst. Da rennt er wohl offene Türen ein. Was der Koch vollbringe, so wird beispielsweise Schillerschulleiter Thomas Findeisen im Infopaket zur Vereinsgründung zitiert, sei „pädagogisch sehr empfehlenswert“.

Weitere Freunde der „Bewegung“ werden am morgigen Sonntag Stimme und Glas auf die Vereinsgründung erheben. Dann kocht Kiekebusch ab 13 Uhr mit einigen Schülern im Hof des „Laden 26“ (Kaiserstraße 26), wo sich zur Offenbacher Woche quasi die kulinarische Elite der Stadt dem Publikum empfiehlt. Mail: info@respekt-gesellschaft.de.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare