Fluglärm: Zusätzliche Belastungen

Offenbach - Schon bevor er in Kraft tritt, wird seine Wirksamkeit angesichts veralteter oder unvollständiger Daten angezweifelt: der Entwurf des Lärmaktionsplans für den Frankfurter Flughafen. Von Matthias Dahmer

Noch bis zum kommenden Freitag, 19. Oktober, kann der lärmgeplagte Bürger Einwendungen gegen das mehr als 100 Seiten dicke Werk beim Regierungspräsidium Darmstadt (RP) vorbringen. Dazu steht ein Internetformular zur Verfügung, zu finden unter dem Suchbegriff „Lärmaktionsplan“. Möglichst viele Offenbacher, fordern die Kritiker des Plans, sollten von der Möglichkeit der Stellungnahme Gebrauch machen. Denn zum einen zähle die Anzahl der Einwendungen, zum anderen enthalte der Entwurf neben den unzureichenden Maßnahmen des aktiven Schallschutzes insbesondere Änderungen an den Flugrouten, von denen die Stadt Offenbach nachhaltig betroffen wäre.

So wird unter anderem vorgeschlagen, bei Ostwind die Nutzung der Abflugstrecke in Richtung Norden über Frankfurt und Bad Homburg (07 N kurz) weiter zu Lasten der längeren Route Richtung Norden über Offenbach und Bergen-Enkheim (07 N lang) zu reduzieren. Derzeit werden bei Ostwind zirka 40 Prozent der Abflüge über die Strecke 07 N kurz und 60 Prozent über die 07 N lang abgewickelt. Mit der geplanten Änderung sollen die westlichen Stadtteile von Frankfurt entlastet werden. Dem gegenüber werden im Plan Mehrbelastungen der Frankfurter Stadtteile Sachsenhausen und Oberrad aufgeführt.

Unterschlagen werde dabei, sagen Kritiker, dass dies vor allem die Stadt Offenbach massiv belaste, die ohnehin an 75 Prozent der Tage im Jahr unter den Anflugrouten bei Westbetrieb leide und nun auch noch an den wenigen, Entlastung bringenden 25 Prozent der Tage, an denen Ostbetrieb herrscht, zusätzlichen Lärm abbekomme.

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Eine weitere bittere Lärm-Pille wäre für Offenbach die beabsichtigte sogenannte Optimierung beim Betriebsrichtungswechsel je nach Rückenwind. Ziel dieser Erhöhung der Rückenwindkomponente ist es, den Anteil der Betriebsrichtung 25, das heißt Landeanflug über Offenbach, zu erhöhen. Abgesehen von einer Zunahme des Lärms werde im Aktionsplan überhaupt nicht angesprochen, dass die Offenbach entlastenden der lärmoptimierten Anflugverfahren bei Rückenwind stark eingeschränkt seien, lautet der Vorwurf zu dem Punkt.

Offenbachs Flughafenberater Dieter Faulenbach da Costa macht mittels Zahlen deutlich, dass die Stadt schon jetzt mehr zu ertragen hat, als der Grundsatz „Gegen den Wind starten und landen“ hergibt. „Würde man die langjährige Windrichtungsverteilung berücksichtigen, müssten 60 Prozent der Landeanflüge über Offenbach erfolgen, und 40 Prozent würden über den Kommunen westlich des Flughafens abgewickelt“, so Faulenbach. Tatsächlich liege die Verteilung aber bei dem genannten Verhältnis 75:25.

Faulenbach erläutert das an einem Beispiel: „Offenbach übernimmt so bereits heute erheblichen zusätzlichen Fluglärm zugunsten etwa der Stadt Raunheim.“ Die Kommune westlich des Flughafens sei durch den Flughafenausbau vorübergehend sogar entlastet worden. Vor Eröffnung der Nordwest-Landebahn habe Raunheim pro Jahr 66 000 Landungen zu verkraften gehabt, die Zahl sei auf 28 000 gesunken. In Offenbach hingegen seien die jährlichen Landungen von 168 000 vor Eröffnung der neuen Bahn auf 180 000 danach gestiegen.

Beim Regierungspräsidium wird betont, dass alle Bedenken und Einwände des Bürgers gegen den Lärmaktionsplan geprüft würden. Soweit sie berechtigt seien, würden sie dann in die endgültige Fassung des Werks einfließen, das in der ersten Hälfte des nächsten Jahres veröffentlicht werden soll. Sobald der Lärmaktionsplan in Kraft trete, sei er für Behörden und öffentliche Stellen verbindlich.

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