Druck auf Ungeimpfte zeigt Wirkung

Chaos bei Corona-Impfungen: Zusätzliche Impfstation für Offenbach kommt

Im Sekundentakt schickt ein Mitarbeiter der Offenbacher Impfstation am späten Nachmittag Menschen weg, die sich impfen lassen wollen. Der Grund: Die Ärzte können den plötzlichen Ansturm gar nicht abarbeiten. Die Abgewiesen sind deshalb verärgert.
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Im Sekundentakt schickt ein Mitarbeiter der Offenbacher Impfstation am späten Nachmittag Menschen weg, die sich impfen lassen wollen. Der Grund: Die Ärzte können den plötzlichen Ansturm gar nicht abarbeiten. Die Abgewiesen sind deshalb verärgert.

Offenbachs Impfstation gegen das Coronavirus ist am Limit. Deshalb soll im Dezember eine weitere Station öffnen. Zusätzliche mobile Angebote sind in Planung.

Offenbach – Der Druck auf Ungeimpfte zeigt offensichtlich Wirkung, die Werbung für die Auffrischung auch. Die Folge: Offenbachs Corona-Impfstation ist derart am absoluten Limit, dass der städtische Verwaltungsstab reagieren musste. So soll noch im Dezember eine weitere Impfstation eröffnet werden, sind zusätzliche mobile Angebote in Planung.

Derzeit bilden sich vor dem Gebäude an der Herrnstraße täglich zu den Öffnungszeiten lange Schlangen. So lang, dass am Anfang des Tages nicht sicher ist, ob man überhaupt an die Reihe kommt.

Chaotische Szenen vor Corona-Impfstation in Offenbach: Fünf Stunden Wartezeit

Leserin Anna-Maria Klein schildert chaotische Szenen, die sich am Dienstag (23.11.2021) vor der Offenbacher Impfstation abgespielt haben. „Ich befinde mich in der Schlange im Impfzentrum Offenbach. Seit über einer Stunde rührt sich die Schlange überhaupt nicht.“ Innen seien aber noch Plätze frei. „Doch die Verantwortlichen weigern sich, uns bei minus einem Grad Außentemperatur drinnen warten zu lassen.“ Bereits ums zehn Uhr morgens habe die prognostizierte Wartezeit bereits bei fünf Stunden gelegen. Viele hätten aufgegeben, weil sie keine Kraft mehr gehabt hätten, in der Kälte zu warten. „Das alles ist eine Zumutung. Kein Wunder, dass viele Leute sich nicht impfen lassen wollen“, sagt Klein.

Bei der Stadt kennt man die aktuellen Zustände vor der Impfstation. Stadtsprecher Fabian El-Cheikh erklärt das Problem: „Die Nachfrage nach Impfungen ist drastisch gestiegen, vor allem bei den Auffrischungsimpfungen, aber erfreulicherweise auch bei den Erstimpfungen.“ Deshalb müsse derzeit mit langen Wartezeiten gerechnet werden. Impfwillige würden aber über die Wartezeiten von den Mitarbeitern im Viertelstundentakt informiert und auch, falls sie absehbar an diesem Tag nicht mehr an die Reihe kommen könnten.

Stadt Offenbach vergibt keine Termine für Corona-Impfungen

Dass die Stadt Offenbach keine Termine vergibt, ist Absicht. „Wir sagen ganz klar: Wer einen festen Termin möchte, muss sich an seinen Arzt wenden, wenngleich es auch dort zu langen Wartezeiten kommen kann“, sagt El-Cheikh. Die Stadt Offenbach habe, anders als andere Kommunen, zusätzlich eine kleine Impfstation eingerichtet und einen Dienstleister mit den Impfungen beauftragt. Bis zum 19 November seien dort bereits 4320 Impfungen verabreicht worden. Die Impfstation im Bernardbau sei aber sehr viel kleiner als das frühere Impfzentrum und verfüge auch nicht über eine vergleichbare Ausstattung, argumentiert der Stadtsprecher.

Es sei lediglich ein zusätzliches Angebot zu den Ärzten und Betriebsärzten. Dennoch will die Stadt dem plötzlichen Ansturm Rechnung tragen. „Eine Ausweitung des Angebots ist in Vorbereitung, allerdings fehlen vor allem Ärzte“, sagt El-Cheikh. Viele Mediziner, die zur Zeit des großen Impfzentrums geholfen hätten, nämen jetzt in ihren Praxen selbst Impfungen vor. Und er stellt schon mal vorsorglich klar: Auch nach Ausweitung des Angebots werde es nicht möglich sein, Impfungen in ähnlich großer Zahl wie im damaligen Impfzentrum anzubieten. Warum die Menschen stundenlang warten müssen: „Aus infektiologischen Gründen darf nur eine festgelegte Zahl von Menschen in die Räume. Dabei werden ältere oder körperlich eingeschränkte Personen bevorzugt.“

Corona-Impfungen: Kritik an der Stadt Offenbach

Für Anna-Maria Klein alles Ausflüchte: „Die Stadt appelliert in einer Tour an die Einwohner, sich impfen zu lassen, bekommt es aber nicht mal hin, ein passendes Angebot zu machen. Und auf die Ärzte zu verweisen, halte ich in der aktuellen Situation fast schon für zynisch. Egal wo man anruft: Alles ist ausgebucht bis Februar.“

Kurz vor Redaktionsschluss plötzlich doch die Wende: Im Verwaltungsstab der Stadt war die Chaos-Warterei vor der Impfstation am späten Nachmittag offenbar großes Thema. El-Cheikh ließ durchsickern: „Die Stadt Offenbach plant im Dezember eine deutliche Ausweitung des Impfangebots.“ Und zwar in Form einer zusätzlichen Impfstation. Eine soll mit Termin, eine weitere ohne Terminvergabe betrieben werden. Dazu soll es mobile Impfangebote in Einrichtungen im Stadtgebiet geben. El-Cheikh: „Unser Dienstleister ist bereits dabei, Personal einzustellen.“

Nach den Vorgaben des Landes Hessen müssten alle Kommunen im Dezember in der Lage sein, rund 2,5 Prozent der eigenen Bevölkerung wöchentlich zu impfen, erklärt er. „Das wären in Offenbach rund 3200 Impfungen pro Woche allein durch das städtische Angebot zusätzlich zu den Ärzten. Also rund 650 Impfungen bei aktuell 5 Öffnungstagen.“ Aktuell läge der Durchsatz bereits rund 400 bis 450 Impfungen pro Tag. „Weil aber mehr als die Hälfte der Impfwilligen im Bernardbau nicht aus der Stadt Offenbach kommen, plant die Stadt im Dezember sogar eine Ausweitung auf fünf Prozent“, kündigt der Stadtsprecher an. Dann sollen pro Wochen 6500 Impfungen erfolgen. (Christian Reinartz)

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