Zuwanderung aus Südosteuropa

Anlaufstelle für Bulgaren

+
Mitbürger ausländischer Herkunft prägen seit jeher das Stadtbild Offenbachs, nicht nur wie hier an der Bieberer Straße.

Offenbach - Alles halb so wild? Immer mehr Politiker äußern sich kritisch zur Zuwanderung aus Südosteuropa, warnen vor den sozialen und finanziellen Folgen. Die haben zunächst die Kommunen auszubaden. Gleichzeitig mehren sich Stimmen, die relativieren. Von Fabian El Cheikh

Nicht nur in Brüssel, dem Sitz der EU-Kommission, welche die derzeitige Wanderung für nicht weiter problematisch hält. Auch Ordnungs- und Sozialdezernent Felix Schwenke warnt vor Panikmache. Angesichts der jetzigen Zahlen sei der soziale Frieden in Offenbach nicht gefährdet. Ende Dezember verzeichnete das Einwohnermeldeamt 2289 neue Mitbürger aus Bulgarien und 2580 Rumänen. Macht unterm Strich 4869. Viele der Einwanderer verweilten jedoch nur eine Zeitlang in Offenbach, zögen anschließend auf der Suche nach Arbeit weiter. „Zuletzt waren die Zahlen rückläufig“, berichtet der städtische Integrationsbeauftragte Luigi Masala.

Lesen Sie dazu auch:

Zuwanderer fordern Sozialsystem heraus

Sorgen macht Offenbach indes die Ungewissheit, was nach dem 1. Januar 2014 geschieht. Manche Experten rechnen dann mit einer wachsenden Armutsbewegung, da durch die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit für Bulgaren und Rumänen prinzipiell auch der Zugang zu Sozialleistungen ermöglicht wird. „Bislang sind es vor allem Fachkräfte, teils hochqualifizierte, die zu uns gekommen sind“, verweist Dr. Matthias Schulze-Böing vom Amt für Arbeitsförderung, Statistik und Integration auf die positiven Effekte der Zuwanderung.

Stadt will ordnungsrechtlich vorgehen

Die andere Seite der Medaille offenbart dagegen Erscheinungen, die in einer Stadt wie Offenbach dazugehören: unqualifizierte oder arbeitsunwillige Mitbürger, Menschen, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind und sich der Integration verweigern, Obdachlosigkeit, Verwahrlosung, Vermüllung von Hinterhöfen sowie strafrechtlich relevante Erscheinungen wie Schwarzarbeit, Ausbeutung und Straßenkriminalität. „Schlepper, Vermieter und Abnehmer von Bau- und Reinigungsleistungen sind oft die Profiteure der Not“, urteilt Schwenke. „Es gibt auch in Offenbach Menschen, die an der Armut der Bulgaren und Rumänen Geld verdienen.“ Dagegen will die Stadt ordnungsrechtlich vorgehen. Ebenso bei Beschwerden aus dicht bewohnten Innenstadtvierteln. Peter Weigand, Leiter des Ordnungsamts, weiß von zahlreichen Beschwerden zu berichten. „Angesichts der Kälte sind die Probleme auf den Straßen aber zurückgegangen.“

Froh ist die Stadt vor diesem Hintergrund vermelden zu können, dass Obdachlosigkeit unter den Betroffenen bislang ein Randphänomen ist. Darüber hinaus räumen Schulze-Böing wie auch Schwenke mit einem verbreiteten Vorurteil auf: Nur wenige sind derzeit arbeitslos gemeldet. So zählte die Mainarbeit im Februar 133 Bedarfsgemeinschaften mit 330 Personen aus beiden Herkunftsländern. Das entspreche zwar bei den Bulgaren einem Zuwachs von 85 Prozent innerhalb eines Jahres. Die dadurch entstehenden Kosten für die Stadt halten sich bislang aber noch in Grenzen: Sie liegen bei etwa 11.000 Euro im Monat.

Kulturfest der Nationen

Kulturfest der Nationen

Anders die Lage in der zuständigen Kindergeldkasse in Hanau: „Wir stellen eine stark zunehmende Tendenz bei der Beantragung von Kindergeld fest, das bereits jetzt ausgezahlt wird“, so Sprecherin Regina Umbach-Rosenow. Verstärken will Schwenke die Integrationsarbeit mit Menschen, die dauerhaft bleiben wollen. „Dafür brauchen wir einen langen Atem.“ Bislang kümmert sich der Verein CROM zusammen mit der rumänischen orthodoxen Gemeinde um Zuwanderer aus den eigenen Reihen. „Ein funktionierendes, sich selbst tragendes Netz“, lobt Schwenke. Neu schaffen will der Magistrat eine entsprechende Anlaufstelle für die Bulgaren.

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion