Wegen in Gutachten aufgelisteten Bedenken

Zwangspause auf Rosenhöhe: EOSC beendet Hallenbadsaison

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Offenbachs einziges Hallenbad ist ein Provisorium. Eine Traglufthalle macht das große Freibad-Becken für einen Winterbetrieb tauglich. Jedes Frühjahr muss die „Blase“ wieder abgebaut werden (hier ein Archivbild aus dem Jahr 2016), diesmal früher als üblich.

Offenbach - Die Stadt ist gegenwärtig ohne Schwimmbad. Wegen eines von der Stadt in Auftrag gegebenen Gutachtens lässt der Betreiber, der Erste Offenbacher Schwimmclub (EOSC), die Öffentlichkeit nicht mehr ins Becken unter der Traglufthalle. Von Thomas Kirstein 

Der Magistrat gibt aber Entwarnung: Ab 16. April wird auf der Rosenhöhe unbeeinträchtigter Sommerbetrieb möglich sein. Der Inhalt eines 48-seitigen Berichts der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen hat für EOSC-Vorsitzenden Matthias Wörner nur eine Konsequenz zugelassen: sofortiger Stopp des Winterbetriebs. Die von den Stadtverordneten 2016 in Auftrag gegebene „Evaluierung Waldschwimmbad Rosenhöhe als Schulschwimmhalle“ listet nach Einschätzung der Verantwortlichen bei der Stadt zwar nichts akut Bedenkliches oder gar Bedrohliches für Badegäste und Schwimmschüler auf. Dem EOSC aber stellt sich aufgrund benannter Sicherheitsrisiken jedoch die Haftungsfrage. Oberbürgermeister und Sportdezernent Felix Schwenke betont gestern bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz, bei der aktuellen Schließung handele sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Da sich alles, was das Gutachten moniert, allein auf den Betrieb unter der Traglufthalle bezieht, wird auf der Rosenhöhe so schnell wie möglich auf Sommer umgeschaltet – das heißt, Verein und Feuerwehr bauen die „Luftblase“ jetzt früher als beabsichtigt ab. Weil Ferien sind, ist das Schulschwimmen momentan nicht betroffen, der öffentliche Badebetrieb wird nur für 20 Tage unterbrochen.

Als Gesundheitsdezernent greift Bürgermeister Peter Schneider die von den Gutachtern geäußerten hygienischen Bedenken auf. Diese beziehen sich auf das möglicherweise für Mikroorganismen anfällige Material der Traglufthalle und „reinigungsunfreundliche Bodenbeläge“, besonders aber auf einen Umstand beim Schulschwimmen: Um von den Umkleiden zum Becken zu gelangen, müssen die Schüler barfuß durch einen Gang, der von ihnen auch mit Straßenschuhen betreten wird. Nicht nur das lasse sich sicher beheben, glauben Schneider und Stadtrat Paul-Gerhard Weiß, Offenbachs Schuldezernent. Wie der OB sind sie zuversichtlich, dass Lösungen gefunden werden, die dem EOSC einen risikolosen Winterbetrieb gestatten.

Der sommerliche Badespaß steht ohnehin außer Frage. Für das städtische Gesundheitsamt besteht keinerlei Grund, den Badebetrieb einzustellen. Leiter Dr. Bernhard Bornhofen nennt die aktuellen Werte des Waldschwimmbad-Wassers (Probe vom 16. März) „wunderbar, was die Mikrobiologie angeht“. In anderer baulich-hygienischer Sicht, so Bornhofen, dürfe man nicht Kriterien anlegen, die für einen Schwimmbad-Neubau gälten.

Genau das ist für die drei städtischen Dezernenten das Problem des Gutachtens. Dieses hatte eigentlich besonders Antworten auf die Frage geben sollen, mit welcher von vier Varianten des Traglufthallen-Provisoriums man im Winter auf der Rosenhöhe wirtschaftlich am günstigsten weiterleben könnte. Unter anderem ging es darum, ob mit einer zusätzlichen oder größeren Überdachung das 25-Meter-Becken fürs Schulschwimmen tauglich gemacht werden könnte.

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Die erwünschte Antwort geben die Badewesen-Fachleute nicht. Stattdessen bewertete die Badewesen-Gesellschaft die Anlage aufgrund von Vorschriften, wie sie für neue Schwimmbäder gelten. So werden Widersprüche zu DIN-Vorschriften angesprochen, wird die Zahl von Duschen als nach modernen Erfordernissen zu gering betrachtet, gilt der Umlauf am Becken als zu schmal, fehlt ein Sanitätsraum direkt an der Halle, sind Mindesthöhen unterschritten, zu große Temperaturunterschiede vorhanden und WC-Einheiten „den Raumeinheiten nicht funktionell ausreichend zugeordnet“.

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„Sollten wir je ein Hallenbad neu bauen, werden wir diese Hinweise natürlich alle berücksichtigen“, meint Bürgermeister Schneider. OB Schwenke lobt die hervorragende Arbeit des EOSC, dank der Offenbach noch ein Schwimmbad hat. Er weist zudem auf den Bestandsschutz hin, der den Betrieb unter den gegebenen Voraussetzungen weiter gestatte.

Darauf setzt auch EOSC-Chef Wörner, der aber in Haftungsfragen rechtlich auf der sicheren Seite sein möchte. Den Gutachtern ist er dankbar, dass sie die Realität aufgezeigt haben, was das notwendige, zuvor oft zu zögerlichen Handeln der Stadt wohl beschleunigen werde. Grundsätzlich sieht Wörner keinen Bedarf, die Traglufthalle infrage zu stellen. Wenn die Gutachter der Stadt mitteilten, dass für einen mindestens sechsmonatigen Betrieb als Hallenbad Vorgaben nach Bauordnung, Baubestimmung und Bauordnungsrecht einzuhalten seien, dann gebe es eben nur noch 5,9 Monate Winterbetrieb.

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