1,7 Millionen waren zu wenig

Zwangsversteigerung der Immobilie am Marktplatz 9

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Offenbach - Zwangsversteigerungen entwickeln oft ihre eigene Dynamik. Beim Poker um die Gewerbeimmobilie am Marktplatz 9 gestern Vormittag im Amtsgericht ist davon jedoch nicht viel zu spüren. Zwei Dutzend Menschen sind gekommen. Von Jenny Bieniek 

Entweder, um mitzubieten oder um zu verfolgen, ob das Gebäude in bester Innenstadtlage, dessen Verkehrswert mit 2.063.000 Euro angegeben ist, einen neuen Besitzer findet. Nachdem die Rechtspflegerin alle relevanten Informationen und Zuzahlungsbeträge vorgetragen hat, beginnt die Mindestbietzeit von 30 Minuten. Im Saal wird es still. Nach drei Minuten des Schweigens erheben sich mehrere Interessenten, geben ihr Gebot ab und hinterlegen ihre Ausweise. Kurz darauf verkündet die Rechtspflegerin das erste Gebot: 1,5 Millionen Euro, eingereicht von einer vierköpfigen Bietergemeinschaft, die ihre Anteile in dreimal 30 und einmal 10 Prozent aufteilen will. Im Raum beginnt Gemurmel, irgendwo vibriert ein Handy. Immer wieder verlassen die Bieter zur Lagebesprechung den Saal, setzen sich wieder, blättern in den Gutachten. Es geht um viel Geld.

Dann ist die Mindestbietzeit um. Als die Rechtspflegerin die im Raum stehenden 1,5 Millionen wiederholt, erhöht das Quartett sein Gebot auf 1,7 Millionen Euro. Um 10.47 Uhr schließlich ist klar: Es gibt keine weiteren Bieter. Dem Vertreter der Gläubigerbank ist das jedoch zu wenig, er verweigert der Bietergemeinschaft den Zuschlag.

Schließung der Sitzung

Die ist nach Schließung der Sitzung enttäuscht: „Obwohl wir uns am Ende selbst überboten haben, gab’s keinen Zuschlag. Dann soll die Bank doch von vornherein sagen: Unter 1,85 Millionen Euro muss niemand mitbieten“, ärgert sich Mitbieter Faris Ertekin. Er und seine Partner planen, die Immobilie am Marktplatz 9 zu sanieren, um Wohnungen oder Hotels daraus zu machen. Einen Plan B haben sie nicht.

Wie später zu erfahren ist, hat die Deutsche Bank für die Immobilie rund 1,9 Millionen aufgerufen. Rechtsanwalt Arthur Naujok ist vom Gericht als Zwangsverwalter für das Gebäude am Marktplatz eingesetzt. Er glaubt, dass die vier Interessenten zu hoch gepokert haben. „Aber die Bank hat heute gesehen, dass es nicht viele Interessenten gibt.“ Möglicherweise hätten sich potentielle Investoren von fehlenden Parkplätzen und dem hohen Sanierungsbedarf abschrecken lassen. Der Experte vermutet deshalb, dass beim nächsten Termin ein Zuschlag erfolgt. „Das Haus wird ja nicht besser, je länger es im Zwangsverfahren steckt“, erinnert er. Und: „Die Heuschrecken kommen meist erst beim zweiten Termin.“

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