Zwei Hausmeister-Klassen

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Stadtverordnete diskutieren

Offenbach - Als der Stadt die nach dem Tarif für den öffentlichen Tarif bezahlten Angestellten zu teuer wurden, erfand sie die „Spiegelgesellschaften“. Von Thomas Kirstein

Es spiegeln sich aber nur die Aufgaben, bezüglich der Entlohnung wäre der Zerrspiegel auch politisch neutral der zutreffendere Begriff.

Bei der Stadtverordnetenversammlung am kommenden Donnerstag steht zum Thema ein Antrag der Linken-Fraktion zur Debatte. Sie wollen prüfen lassen, „in welchem naheliegenden Zeitraum mit einer Beendigung dieser inakzeptablen Beschäftigungsbedingungen zu rechnen ist“. Auch die SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen verlangt ein Ende der Arbeits-Spiegelung.

Die Koalition aus SPD, Grünen und Freien Wählern macht einen Prüfantrag daraus: Erstmal die Daten ermitteln, auch was Leiharbeiter in städtischen Gesellschaften angeht, die Belastung bei gleicher Bezahlung für alle ausrechnen, dann auf dieser Basis diskutieren.

Für den Betriebsrat eines Stadt-Betriebs mit Zwei-Klassen-Mitarbeiterschaft ist das eine erneute Verwässerung des Anliegens. „Wir haben schon 2005 und 2008 mit allen Fraktionen über das Problem gesprochen und viel von Verständnis gehört. Getan hat sich aber nichts. Wir fühlen uns allein gelassen“, ärgert sich Reiner Kellnhofer, Vorsitzender der GBM-Arbeiternehmervertretung (Gebäudemanagement). Unter anderen vertritt der Hausmeister der Bürgeler Uhlandschule seine 60 Kollegen, die an 30 Schulen mit 20 angegliederten Horten tätig sind.

25 Hausmeister genießen Vorteile des alten ÖTV-Tarifs

Sie haben nach Kellnhofers Angaben monatlich inklusive einer Überstundenpauschale netto 2200 bis 2500 Euro in der Tasche. Die Hausmeister der Spiegelgesellschaft kommen auf rund 1300, zu steigern durch abendliche Bereitschaftsdienste. Die Stundenlöhne liegen bei 11 beziehungsweise 17,50 Euro.

„Die Anforderungen sind haargenau die gleichen“, sagt Kellnhofer und zeigt die Anlage „Objektkonkrete Zuordnung der Leistungen“ für den Hausmeisterservice, den die städtische GBM von der Stadt bezahlt bekommt. Der Betriebsrat sei Realist genug, dass er keine pauschale Rückkehr zur durchgängigen alten Tarifstruktur verlange –das könne sich Offenbach nicht leisten, betont Kellnhofer. Aber 1000 Euro Unterschied seien nicht gerechtfertigt: „Wir wollen eine individuelle, leistungsgerechtere Bezahlung der Kollegen in der Spiegelgesellschaft.“

Der Hausmeister, sagt der Mann mit 36-jähriger Berufserfahrung, sei längst zu einer Art Manager geworden, der sozusagen eine Schule führen müsse. „Er hat Aufgaben fast wie eine Sekretärin, er hat mit Kindern zu tun, da kann man nicht Hinz und Kunz einstellen“, sagt er.

Oft kommen neue Hausmeister als ehemalige Langzeitarbeitslose über Maßnahmen der GOAB (Gemeinnützige Offenbacher Ausbildungs- und Beschäftigungs GmbH) oder des Internationalen Bunds zur GBM. Für Kellnhofer kein Grund, diejenigen, die sich für die Aufgaben qualifiziert zeigen, deutlich schlechter zu bezahlen.

In die Debatte um angemessene Entlohnung aller Hausmeister bringt der Betriebsrat das in den vergangenen Jahren veränderte Tätigkeitsprofil des Hausmeisters ein: Er ist nicht mehr nur derjenige, der etwa für Sauberkeit und Funktionstüchtigkeit, kleinere Reparaturen, Kontrollen und Winterdienst zuständig ist.

Was vom modernen Hausmeister verlangt wird

Reiner Kellnhofer trägt vor, was vom modernen Hausmeister zusätzlich verlangt wird: Seit es keine Schulassistenten mehr gibt, übernimmt er für die Schulleitung die „Herstellung von Druckerzeugnissen und Vervielfältigungen“ und wartet die Multimediageräte, benötigt Fachlehrgänge und sicherheitstechnische Unterweisungen.

Er ist auch in die Krisen- und Konfliktbewältigung eingebunden, muss De-Eskalationslehrgänge absolvieren und schlichtend eingreifen, wenn Schüler aneinander geraten – „auch vom Lehrpersonal gezielt angefordert und hingezogen“. Ganztagsklassen, Mittagsbetreuung, immer mehr schulische Veranstaltungen, Angebote und Tagungen von Fördervereinen verlangen von ihm längere und in die Abend- und Wochenendstunden verschobene Dienstzeiten.

Das betrifft gleichermaßen gut und schlechter entlohnte Kollegen. Am Donnerstag wollen die Hausmeister im Rathaus dabei sein, wenn über Spiegelgesellschaften geredet wird. Viel Hoffnung hat er nicht, dass sich bald etwas ändern wird. Auch nicht, wenn demnächst drei Lehrer im hauptamtlichen Magistrat sitzen, die eigentlich wissen müssten, was Hausmeister heute leisten.

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