Zwei Jahre Haft für Todesfahrt

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Ein Foto vom Dezember 2008: Der BMW-Geländewagen, in dem die beiden 17-jährigen Mädchen ertranken, wird aus den Fluten des Mains gehievt.

Offenbach (dpa/mad) - Das Landgericht Darmstadt verurteilte den 24 Jahre alten Türken Okan Y. aus Frankfurt gestern wegen einer tödlichen Spritztour, bei der im Dezember 2008 zwei 17-jährige Mädchen qualvoll auf dem Rücksitz seines Geländewagens im Main ertranken, zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung.

Im ersten Verfahren hatte ihn das Amtsgericht Offenbach in einem spektakulären Prozess zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt. Der Angeklagte war gegen diesen Schuldspruch vom Oktober 2010 in Berufung gegangen. Er wollte eine Bewährungsstrafe erreichen. Die 14. Strafkammer des Landgerichts blieb mit dem Urteil über den Forderungen von Anklage und Verteidigung, die jeweils auf eine Bewährungsstrafe plädiert hatten. Der 24-Jährige hatte gestanden, in der Nacht vom 7. auf den 8. Dezember mit seinem Auto vom Mainuferparkplatz in den Fluss gestürzt zu sein. Die 17 Jahre alten Leandra und Ambra ertranken.

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„Wir ertrinken, oh Gott“

„Es ist kein Momentversagen, wenn man wie ein Bekloppter durch die Gegend fährt“, sagte der Vorsitzende Richter Christoph Breuer in seiner Urteilsbegründung. Er ließ zudem erkennen, dass er von dem Verhalten des erneut gefühlskalt auftretenden 24-Jährigen wenig hielt. Der Mann habe kaum Reue gezeigt und sich auch nicht richtig entschuldigt. „Das ist das Problem, wenn man vor sich hinschweigt“, so der Richter. Okan Y. sei mit dem schweren Geländewagen in jener Nacht „viel zu schnell über den Parkplatz“ gerast. Er sei Slalom gefahren und habe sich auch noch nach hinten umgedreht, wo die Mädchen saßen. „In diesem Moment sind Sie in einen Bauzaun gekracht, den sie sonst gesehen hätten“, sagte Breuer. Dann stürzte der Wagen in den Main.

Erstes Urteil als „unvertretbar hoch“ bezeichnet

In dem Auto spielten sich dramatische Szenen ab. Zunächst konnte noch per Handy ein Notruf abgesetzt werden: „Wir ertrinken ... oh Gott.“ Nach den Feststellungen des Offenbacher Amtsgerichts verdeutlichten Blutergüsse an den Händen der Leichen, wie verzweifelt die Mädchen versucht haben müssen, sich aus dem sinkenden Auto zu befreien. Der Fahrer und sein Cousin auf dem Beifahrersitz konnten sich retten.

Die Anklage hatte in der Berufung ein Jahr auf Bewährung gefordert. Sie war damit noch unter den maximal eineinhalb Jahren geblieben, welche die Verteidigung für angebracht hielt. Oberstaatsanwalt Erwin Albrecht bezeichnete das erste Urteil als „unvertretbar hoch“. Bei der Strafzumessung seien „schwere Fehler“ gemacht worden. Die Anwälte der Eltern der Mädchen zeigten sich als Nebenkläger mit dem Urteil weitgehend zufrieden. Ein Vater sagte am Rande des Prozesses, die Tochter sei sein einziges Kind gewesen. Verteidigung und Anklage wollen prüfen, ob sie Revision einlegen.

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