Kommentar: Im Zweifel gegen Parker

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Wer soll ahnen, dass auf dem Streifen links das Parken verboten ist?

So wird’s schwer, den Ruf der Knöllchenhauptstadt Deutschlands wieder loszuwerden. Wenn übereifrige Hipos losmarschieren und nach eigenem Gutdünken Strafzettel verteilen, nährt das eher das Abzocker-Image. Dass Autofahrer trotz gelöstem Ticket und sehr unübersichtlicher Lage verwarnt wurden, unterstützt die These, in Offenbach sei die Parole „im Zweifel gegen den Parkenden“ ausgegeben worden. Von Thomas Kirstein

Auf dem bereits umgestalteten Teil des Wilhelmsplatzes, auf dem unser Hipo jetzt so überraschend zuschlug, haben wir seit kurzem eine neue Situation: Entlang der Kastanien auf der Westseite ist ein Streifen materialmäßig deutlich von der Pflasterung der Zufahrt abgesetzt. Dies kann als Fußgängerweg gedacht, muss es aber nicht zwangsläufig sein. Es könnte durchaus auch als Parkstreifen in Längsrichtung gelten (wenigstens für Autofahrer, die sich kaum vorstellen können, dass die Stadt so unvernünftig ist, nicht nur das Angebot an Abstellflächen grundsätzlich zu halbieren, sondern es auf der verbleibenden Hälfte noch weiter zu vermindern.) Oder handelt es sich gar um eine Zone, mit der die Wurzeln der Bäume geschont werden sollen? Man weiß es nicht. Die tatsächliche Bedeutung ist derzeit dem Uneingeweihten nicht ersichtlich.

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Eine Beschilderung fehlt, und wer sein Auto auf den Williplatz stellt, führt in der Regel keine Planunterlagen aus dem Rathaus mit sich, die ihn aufklären könnten. Deshalb hätte es sich von vornherein gehört, dass subalterne Uniformträger auf eigenmächtige Interpretationen und willkürliche Knöllchen-Verteilung verzichten.

Wenn das Ordnungsamt nun selbst eine gewisse Ratlosigkeit einräumt und das Aufschreiben umgehend einstellen lässt, ist das natürlich sympathisch und mag sogar die zuvor Betroffenen besänftigen, die jetzt die Scherereien haben. Die Lehre aus der Aktion dürfte aber ruhig auch sein, dass wieder mal Zeit ist, den Damen und Herren in städtischem Blau ganz deutlich zu machen, dass sie von den Offenbacher Steuerzahlern für eine ordnende und etwa nicht für eine kassenfüllende Funktion bezahlt und auf die Gasse geschickt werden.

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