EHEC: Zweifel keimt noch immer

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Gurken und Tomaten als Ladenhüter. Wie die meisten Gemüsehändler auf dem Wochenmarkt bleibt Günter Buxmann derzeit auf einem Teil seiner Ware sitzen.

Offenbach - „Eine spanische Gurke, bitte. “ Am Dienstagvormittag ist zumindest das Feindbild auf dem Wilhelmplatz noch klar umrissen. Von Matthias Dahmer

Es darf an den Wochenmarkt-Ständen gescherzt werden, weil sowieso schon längst niemand mehr die vermeintlich Schuldigen von der iberischen Halbinsel im Sortiment hat.

Mittlerweile ist bekanntlich alles anders, muss die Suche nach dem tödlichen Darmkeim Ehec von vorne beginnen. Und die Beschicker des Offenbacher Wochenmarkt dürfen sich auf ein weiteres Wochenende mit - im besten Fall - kritisch fragenden Käufern einstellen. Wahrscheinlicher ist indes, dass sich die meisten bei Tomaten, Gurken und Salat gleich ganz verweigern.

Das haben die verunsicherten Verbraucher an den vergangenen Markttagen schon ausgiebig getan. 20 bis 30 Prozent weniger Umsatz verzeichnet zum Beispiel Günter Buxmann. Einen aus seinem Verkaufsteam habe er schon zu Hause lassen müssen, berichtet er.

In sattem Grün und Rot leuchten am Dienstag die angeblichen Angstmacher in seinem Angebot - selbst die deutschen Gurken und Tomaten will im Moment keiner. „Am vergangenen Samstag war‘s ganz krass“, sagt Buxmann.

Immerhin: Gekauft wird noch. Nur eben anderes. Blumenkohl, Weißkohl und Spargel gehen jetzt besser, weiß der Marktbeschicker. Nachvollziehen kann er die Zurückhaltung beim üblicherweise beliebten Gemüse nicht. Die deutschen Gurken und Tomaten kommen derzeit nämlich noch aus dem Gewächshaus. Eine Berührung mit der als Verursacherin angenommenen Gülle ist für den Obst und Gemüshändler deshalb ausgeschlossen. „Die Leute kriegen zuviel Angst gemacht“, findet Günter Buxmann.

Dem kann Ines Bergfeld nur beipflichten. Trotz der Versicherung, dass nur deutsche Produkte an ihrem Stand liegen, winken viele ab. „Dafür, dass am Donnerstag ein Feiertag ist, ist es heute hier sehr ruhig“, sagt sie. Morgen und übermorgen wird sie weiter Überzeugungsarbeit leisten müssen. Helfen wird ihr dabei hoffentlich die Kopie eines Zertifikats, das von ihrem Lieferanten stammt. Er hat sich in den vergangenen Tagen extra bescheinigen lassen, dass auf seinen Feldern alles in Ordnung ist.

Die Gemüsebauern trifft es in der Tat noch schlimmer als die Händler. Ausgerechnet in der Haupterntezeit meiden die Verbraucher Rohkost. Landwirte müssten täglich Gemüse im Wert von zwei bis drei Millionen Euro wegwerfen, sagt der Bauernverband. Und solange die Quelle für die Ehec-Epidemie nicht gefunden wird, ist wohl keine Besserung in Sicht.

Ein bitteres Lächeln und einen kurzen, aber vielsagenden Kommentar erntet der Nachfragende auf dem Wochenmarkt beim Bio-Frischvermarkter Querbeet: „Die Gurken sind ein Ladenhüter, die Tomaten tun sich schwer.“ Am Stand von Helmut Heeg ist zu hören, dass die Kundschaft teilweise sogar bei den Erdbeeren Bedenken hat.

Allein beim Oberräder Gemüsehändler Jung ist die Welt offenbar noch in Ordnung. Die Diskussion um Ehec hat sich beim Umsatz kaum bemerkbar gemacht, heißt es. „Die Leute fragen zwar nach und diskutieren, kaufen dann aber doch.“

Nicht nur auf dem Wilhelmsplatz läuft das Geschäft weniger rund als üblich. Auch in den Lebensmittelmärkten schlägt des Käufers Zurückhaltung zu Buche. Im größten, dem toom-Markt im Ringcenter, verkauft man normalerweise rund 300 Kilo Tomaten pro Tag. Derzeit sind es trotz aufklärender Plakate, die zur Kundeninformation aufgestellt wurden, wesentlich weniger, berichtet Filialleiter Norbert Seng.

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