Die Zweifel überwiegen

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Impfung ja, aber nicht gegen die Schweingrippe: Dr. Eckhard Starke, Vorsitzender des Ärztevereins Offenbach, kann die Zurückhaltung der Patienten verstehen.

Offenbach ‐ Der große Ansturm auf die Hausarztpraxen und das Gesundheitsamt blieb gestern aus. Am ersten Tag der groß geplanten Impfaktion gegen das H1N1-Virus wurden nur wenige Nadeln mit dem Wirkstoff gegen die Schweinegrippe in die Muskeln gesetzt. Von Katharina Platt

Die Vorsicht und die Skepsis gegenüber dem neuen Impfstoff wiegen scheinbar mehr, als die Angst vor einer Ansteckung mit der Schweinegrippe, die nun auch „Neue Grippe“ genannt wird. Dr. Eckhard Starke, Vorsitzender des Ärztevereins Offenbach, kann die Zurückhaltung verstehen. „Einige Patienten rufen an und wollen sich über die Impfung informieren, in der Praxis war jedoch noch niemand, der geimpft werden wollte. Geimpft werden soll erst einmal nur das Personal im Gesundheits- und Sicherheitswesen, damit eine Versorgung der Bevölkerung im Falle einer Pandemie durch den Schutz des Personals sicher gestellt ist“, so der Allgemeinmediziner.

Aber auch bei diesen überwiegt die Zurückhaltung. Die ersten 1000 Impfdosen, die in der vergangenen Woche im Gesundheitsamt der Stadt eingetroffen sind, warten noch auf Personen, die im Gesundheitswesen tätig sind oder für die Sicherheit der Bevölkerung sorgen. Tatsächlich kamen gestern nur drei Patienten, um sich gegen das Virus impfen zu lassen.

Eckhard Starke selbst und seine Mitarbeiter sind noch nicht geimpft. Man wolle erst einmal die Entwicklungen abwarten, so der Mediziner. Außerdem verlaufe eine Infektion mit der Schweinegrippe ohnehin milder, als eine übliche Grippe. „Es gibt keinen Grund, sich Sorgen zu machen.“

Arzt rät nur hochgefährdeten Patienten zur Impfung

Seinen besorgten Patienten steht der Arzt mit Praxis im Kettlerkrankenhaus Rede und Antwort. Zu einer Impfung rät er nur hochgefährdeten Patienten, die noch jung sind und an einer schweren Krankheit leiden oder deren Immunabwehr vielleicht sogar schon gemindert ist.

Starke macht darauf aufmerksam, dass nicht jeder Arzt impft. Problematisch sei, dass der Impfstoff, der aus zwei Substanzen zusammengemischt wird und für jeweils zehn Patienten gedacht ist, innerhalb eines Tages aufgebraucht werden müsse. Er vermutet daher, dass einige Kollegen erst einmal eine Gruppe Patienten, die sich impfen lassen wollen sammeln werden, bevor sie das Präparat bestellen.

„Die Skepsis der Patienten ist angebracht“, meint der Hausarzt. Auch wenn die Patienten mit beherrschbaren Komplikationen rechnen können, so erwarte man stärkere Nebenwirkungen, als bei einer normalen Grippeimpfung.

Mit Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle rechnen

Schon im Vorfeld war eine heftige Debatte über den Einsatz von Wirkungsverstärkern in dem Impfstoff gegen das H1N1-Virus aufgekommen. Hinzu kommt die Sorge vieler Menschen, der Impfstoff sei noch zu wenig erforscht. Menschen, die sich trotz aller Skepsis dennoch impfen lassen wollen, sollten mit Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle rechnen. Außerdem kann es zu Fieber, Unwohlsein und Kopfschmerzen kommen.

Dr. Eckhard Starke geht nicht davon aus, dass sich der gestern abzeichnende Trend in den nächsten Wochen verändern wird. „Eine große Bewegung wird sicher ausbleiben.

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