Im Zweifelsfall lieber schlicht

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Powerpoint-Training im Selbstlernzentrum - hier mit Bruno Schreck.

Offenbach ‐ Noch vor nicht allzu langer Zeit hielten Schüler ihre Referate im Unterricht mit Hilfe von Overhead-Projektoren, mühsam an die Tafel gemalten Schaubildern und textlastigen Handreichungen. Mittlerweile hingegen gehört die gut strukturierte und mit eleganten Animationen versehene Powerpoint-Präsentation zum Standard in den Klassenzimmern. Von Denis Düttmann

Doch auch wenn die Technik den Vortrag vor versammelter Klasse oftmals erleichtert - ein einfaches Allheilmittel ist sie nicht. Auch hier gilt es, zunächst den Inhalt zu gliedern und die digitalen Werkzeuge didaktisch sinnvoll einzusetzen. Die Neunt- und Zehntklässler der Albert-Schweitzer-Schule lernen derzeit in ihrer Projektwoche, wie sie eine gelungene Powerpoint-Präsentation am Computer konzipieren und später im Unterricht vortragen. „Zunächst zeige ich den Schülern anhand einer Lernsoftware grundsätzliche Visualisierungstechniken, dann sprechen wir über die Gestaltung der Folien und die Strukturierung des Vortrags. Und schließlich überlegen wir uns, welcher Inhalt transportiert und welche Zielgruppe angesprochen werden soll“, sagt Lernberater Bruno Schreck vom Selbstlernzentrum der Volkshochschule.

In einem zweiten Schritt lernen die Schüler die wichtigsten Funktionen und Steuerungsinstrumente des Programms Powerpoint kennen: Welche Elemente stehen zur Verfügung? Wie kann man die Folienübergänge gestalten? Wann ist eine Animation sinnvoll? „Die Schüler bringen bereits ein solides Basiswissen mit“, hat Schreck beobachtet. „Ich versuche ihnen nun zu vermitteln, dass nicht jeder mögliche Effekt auch immer sinnvoll ist und man die Präsentation im Zweifelsfall eher schlicht halten sollte.

Nach der theoretischen Einführung können die Schüler am Computer zeigen, was hängen geblieben ist. Bruno Schreck hat völlig verhunzte Präsentationen über das Angebot des Selbstlernzentrums auf den Rechner gespielt, auf jeder Folie findet sich mindestens ein Beispiel dafür, wie man es gerade nicht machen sollte. Da wird der letzte Buchstabe eines Wortes von einem Foto verdeckt, es fliegen in einer wilden Animation Textblöcke durch das Bild und die Überschrift ist kleiner als der Fließtext. „Die Schüler sollen die Fehler beseitigen und aus dem Negativ-Beispiel eine gut strukturierte Präsentation machen“, erklärt Schreck. Wenn sie nicht weiterkommen, können sie jederzeit in die Lernsoftware zurück schalten und die konkreten Arbeitsschritte nachlesen.

Die Fähigkeit, gute Präsentationen halten zu können, wird immer wichtiger“, sagt Lehrer Walter Noll. „Zum einen gehört die Technik bereits in der Schule zum Standard, zum anderen ist strukturiertes Referieren auch im Studium und im Beruf unerlässlich.“ Neben den technischen Fertigkeiten, die sich die rund 230 Schüler in dieser Woche jeweils an einem Tag im Selbstzentrum angeeignet haben, müsse auch das sichere Sprechen vor großen Menschengruppen geübt werden. „Wir wollen den Schülern beibringen, ihren Vortrag sinnvoll auf die Präsentation abzustimmen, den Kontakt zum Publikum zu halten und souverän aufzutreten“, so Noll. Für die Jugendlichen, die nächstes Schuljahr in die Oberstufe wechseln, hat die Übung ganz entscheidende Bedeutung: Seit kurzem kann eine mündliche Abiturprüfung nämlich auch als Präsentation gehalten werden. Die Qualität des Vortrags hat dann konkrete Auswirkung auf die Abschlussnote und damit die berufliche Zukunft.

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