Zweiradwerkstatt der GOAB

Saisonstart: Es läuft langsam wieder rund

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Zweiradwerkstatt der GOAB hat nach Turbulenzen um Insolvenz festen Boden unter den Reifen. Das Team blickt auch aufgrund der guten Resonanz zur Saisoneröffnung optimistisch nach vorne. Auch das gehört bei GOABike mit zum Service und zum Tag der offenen Tür: Auszubildender Mino gibt Luft in den Reifen.

Offenbach - „Es gibt uns noch, wir machen weiter!“ - Nicht das neueste Elektro-Bike, sondern dieser unmissverständliche Satz ist das wichtigste Thema beim Zweiradwerkstatt-Saisonstart der insolventen Offenbacher Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft (GOAB). Von Silke Gelhausen-Schüßler

Zahlreiche Kunden sind verunsichert, hatten nach den Presse-Meldungen der letzten Monate „ihre“ Fahrradwerkstatt bereits abgehakt. Nun besteht nach Gründung des gemeinnützigen Vereins für technische Berufsausbildung Offenbach (VTBO) Anfang März zunehmend Grund zur Hoffnung: Die Insolvenzverwaltung unterstützt die Übernahme der GOAB durch den Verein nach Kräften - bleibt es bei dem positiven Entwicklungstrend, so steht einem Geschäfts-Transfer im Sommer nichts mehr im Weg.

Damit bleibt der GOABike das Schicksal anderer Offenbacher Branchen-Kollegen wahrscheinlich erspart: Sowohl das Fahrradgeschäft Rosenberger in Bürgel als auch die Bike-Schmiede in der Bieberer Straße haben dicht gemacht. Sie haben den Kampf gegen die mächtige Konkurrenz großer Handelsketten verloren, die Fahrräder zu Kampfpreisen anbieten, welche sich ein kleineres Geschäft nicht leisten kann. Dazu GOABike-Ausbilder und Werkstattleiter Robert Lützenkirchen: „Unser Vorteil ist, dass diese Läden kaum Service bieten. Kunden, die nicht dem Konsumrausch verfallen und ihr Fahrrad bei der ersten Reparatur durch das neueste Modell ersetzen wollen, kommen letztlich dann doch lieber zu uns.“

„Ein ganz neuer Laden“

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Und der Saisonstart am Samstag gibt ihm Recht. Der für 100 Besucher kalkulierte Imbiss ist kurz vor Veranstaltungsende fast komplett in hungrige Mägen gewandert, drei Fahrräder werden verkauft, drei Kunden wollen wiederkommen, um sich ein 2 000 Euro teures Pedelec (Pedal Electric Cycle) zu kaufen. „Heute waren Kunden da, die dachten, wir seien ein ganz neuer Laden!“ lacht Lützenkirchens Kollege Raphael Franz. Über persönliche Kontakte hat der junge Ausbilder in diesem Jahr zum ersten Mal einen Stand des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) organisiert. Hier können sich die Kunden über die richtige Pflege ihres Zweirads oder die nächsten Termine für eine kostenlose Codierung erkundigen.

Das Wiederfinden eines gestohlenen Rades durch die Polizei hat aber auch so seine Tücken. Franz: „Man kann sein Rad vor der Entgegennahme bei der Polizei nicht besichtigen, weiß also nicht, ob es unversehrt oder Schrott ist. Stimmt man der Rücknahme ungesehen zu, zahlt natürlich nicht mehr die Versicherung und man bleibt im schlimmsten Fall auf den Reparaturkosten sitzen.“ Anstatt sich über den Fund zu freuen, wollen die meisten Diebstahl-Opfer deshalb ihr Rad gar nicht zurück.

Diese herrenlosen Fundstücke liefert die Polizei dann an die GOABike, zusammen mit anderen Alträdern kommen so mindesten 50 Stück im Jahr zusammen, die Franz von seinen Auszubildenden und Umschülern (derzeit elf) für 100 bis 200 Euro Materialkosten wieder instandsetzen lässt. „Das ist eine gute Sache, die Azubis lernen daran und unsere Kunden nehmen die Gebrauchträder mit Kusshand“, so Franz. In diesem Frühjahr wurden alle Secondhand-Stücke bereits vor dem Saisonstart verkauft, was auch dem milden Winter geschuldet ist.

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Die GOABike finanziert sich zu zwei Dritteln aus Geldern von Mainarbeit und Arbeitsagentur sowie zu einem Drittel aus dem Zweckbetrieb des Verkaufs und Reparatur von Fahrrädern, Motorrollern und Royal Enfields, der in Indien produzierten Kult-Motorräder. Der Zweckbetrieb wurde vor über 15 Jahren gegründet, weil die Unterstützung durch die Ämter schon damals nicht ausreichte. Zum VTBO gehört neben der Zweiradwerkstatt auch der Metallbau mit 20 Auszubildenen sowie die Mechanische Werkstatt mit 13 Auszubildenden und neun Umschülern. Im Herbst sollen weitere 15 junge Menschen hier lernen. Vorher muss sich der Verein aber um die Übernahme der Kosten durch die Ämter neu bewerben, zertifizieren und die Ausschreibungen gewinnen.

Ab sofort gelten die erweiterten Sommer-Öffnungszeiten der GOABike: donnerstags bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr. www.goabike-halle4.de.

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