Das zweite Zuhause

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Ein gemütliches Beisammensein zum kleinen Jubiläum: Die Tagespflege besteht in Offenbach seit 25 Jahren.

Offenbach - (mk) Passend zur Jahreszeit gab’s Erdbeeren. Auf Kuchenböden gelegt oder in Torten verarbeitet, je nach Geschmack obendrauf mit Sahne. Wer mochte, erhielt Nachschlag; nicht allein einen süßen, sondern wahlweise einen informativen. Die Tagespflege, Einrichtung des Senioren-Zentrums Offenbach, feierte nicht nur ihr 25-jähriges Bestehen.

Die neue Leiterin Iris Werner nutzte mit ihrem Team den Nachmittag auch dazu, die Einrichtung vorzustellen.

Die Tagespflege startete 1984 als Modellprojekt, initiiert durch den damaligen Sozialdezernenten Wolfgang Reuter (SPD), der es sich nicht nehmen ließ, persönlich zum Jubiläum zu gratulieren. Als aktuelle Dezernentin schaute Bürgermeisterin Birgit Simon in der Elisabethenstraße 51 vorbei. Sie überreichte als Geschenk eine Orchidee - was symbolisch zu betrachten ist. Diese Pflanzen können theoretisch unbegrenzt lange weiterwachsen. So wünscht es sich Simon wohl auch für die Tagespflege.

Das Einrichtung startete seinerzeit mit zwölf Besuchern, zumeist Schlaganfall-Patienten. Im Laufe der Jahre ist deren Zahl auf 30 gewachsen. Das ist auch heute der Stand. Zudem änderte sich das Krankheitsbild - Morbus Parkinson, psychische Erkrankungen, Arthrosen, Herz-, Kreislauferkrankungen. Das schlägt sich auch auf die Altersstruktur der Besucher nieder - sie werden immer jünger.

Im Pflegeversicherungsgesetz gilt eine Devise: ambulant vor stationär. Also kann die Tagespflege zur häuslichen Versorgung eine Ergänzung sein, „die die Menschen dabei unterstützt, auch weiterhin zu Hause leben zu können“, erläutert Iris Werner. Die Tagespflege steht von Montag bis Freitag (jeweils 8 bis 17 Uhr) offen. Die Patienten, die dort betreut werden, holt ein Fahrdienst von zu Hause ab und bringt sie zurück. In den eigenen vier Wänden werden diese Menschen, wenn sie nicht alleine klarkommen, von Angehörigen oder Pflegediensten unterstützt. „Teilweise leben sie alleine und kommen mit der Unterstützung der Tagespflege auch gut zurecht“, sagt die neue Leiterin, Altenpflegerin mit der Weiterbildung zur Wohnbereichsleitung und seit 21 Jahren in der Tagespflege engagiert.

Die Patienten können die Einrichtung an der Elisabethenstraße bis zu fünf Tagen pro Woche besuchen. Die Kosten werden teilweise von der Pflegekasse, dem Sozialhilfeträger und den Besucherinnen selbst getragen. Vorher erfolgt eine eingehende Beratung. Werner: „Schön ist es immer wieder zu erleben, dass sich auch junge Menschen in unsere Tagespflege integrieren. Wichtig für unsere Arbeit ist, eine Balance zwischen der individuellen Betreuung und dem Gemeinschaftserleben herzustellen.“ Dazu gehöre, dass die Besucher lernen, „fremde“ Verhaltensweisen zu akzeptieren. Grundstein für eine gelassene und wertschätzende Atmosphäre.

Um das über die Woche zu gewährleisten, arbeiten vier Pflegefachkräfte, eine Ergotherapeutin, eine Bewegungstherapeutin und eine Kunsttherapeutin sowie eine Haushaltshilfe in der Tagespflege. Phasenweise kommen Pflegeschüler aus der Krankenpflegeschule des Klinikums und der Altenpflegeschule hinzu. Was die Besucher unter anderem machen, sahen die Jubiläums-Gäste in einem kleinen Basar. Dort wurden kleine Kunst- und Gebrauchsgegenstände verkauft, die in der Tagespflege entstanden. Daran hängen teilweise Erinnerungen: „Mit manchen Menschen gehen wir nur ein kurzes Stück zusammen“, heißt es eher nachdenklich. Einige Besucher hingegen sind schon viele Jahre gern gesehen. „Und für einige sind wir ein zweites Zuhause geworden“, erzählt Iris Werner. Und das bleibt hoffentlich noch viele Jahre so...

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