Zwischen Kochen und Bügeln

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Die Werke eines ganzen Jahres präsentieren die Offenbacher Freizeitkünstler derzeit im Haus der Stadtgeschichte.

Offenbach - Es sind keine berühmten Maler, von denen der bunte Mix aus Fotografien, Collagen, Zeichnungen und Gemälden im Haus der Stadtgeschichte stammt. Vielmehr ist er das Ergebnis der kreativen Arbeit der Offenbacher Freizeitkünstler. Von Katharina Skalli

Die Gruppe steht für eine abwechslungsreiche Palette an Techniken, Motiven und Werken. In diesem Jahr hat sie besonderes Glück mit der Wahl des Ausstellungsortes: Sie hat einen begehrten Platz im Kalender des Hauses der Stadtgeschichte ergattert.

An den weißgetünchten Wänden des Bernardbaus präsentieren die 14 Mitglieder ihre Arbeiten. Nur die wenigsten der Hobby-Kreativen können sich ein Atelier leisten. Viele arbeiten in ihrer Wohnung, irgendwo zwischen Couchgarnitur und Küchenschrank. Zwischen Eintopfkochen und Wäschebügeln. Was in den kreativen Freiräumen entsteht, ist bemerkenswert. Das sieht auch Oberbürgermeister Horst Schneider in seiner Eröffnungsrede so: „Wir mussten nicht die Kreativwirtschaft entdecken, um zu wissen, wie kreativ Offenbach tatsächlich ist.“ Die Künstler seien so etwas wie die schöpferische Basis der Stadt.

Mira Grünig malt seit 30 Jahren. Die 76-Jährige hat lange Zeit nur Porzellan verschönert und sich dadurch einen ruhigen und sicheren Pinselstrich angeeignet. Mit dem Alter ist sie mutiger und experimentierfreudiger geworden. Die Werke, die sie zum Ausstellen in den Bernardbau gebracht hat, sind farbenfroh und völlig verschieden. Eines ist mehr Skulptur als Bild. Mira Grünig hat Material wie Stoff und Plastik collagenartig angeordnet und aufgeklebt. Grelle Farbspritzer aus Acryl ziehen sich über das Bild wie eine zweite Haut. Aber auch die klassischen Techniken beherrscht sie. Über dem feinen Porträt einer ägyptischen Dame hängt eine Orchidee in Öl. Grünigs Bilder entstehen meist mitten in der Nacht an ihrem Esstisch. „Dann ist es still“, sagt sie. „Ich lasse leise Musik spielen und kann mich so am besten konzentrieren.“

Zarte Elfenlandschaften

Auch Astrid Mertin reizen klassische wie moderne Techniken und Stile. Mit Öl hat sie eine zarte Elfenlandschaft geschaffen. „Das war im Odenwald“, erklärt sie. Die lindgrüne Zauberwelt erinnert an die Naturlyrik großer Dichter. Doch die erfahrene Malerin kann auch anders. Kräftige Farbtöne warten eine Wand weiter. Würde es nicht in großen schwarzen Buchstaben auf einem Schild stehen, glaubte man es kaum, dass beide Serien von der Neu-Isenburgerin stammen. Bunt und mit abstrakter Pinselführung präsentiert sich die andere Seite der Astrid Mertin. „Man kann das Bild auch auf den Kopf stellen. Dann sieht es wieder ganz anders aus.“

Brigitte Killer hat durch die regelmäßigen Treffen mit den Freizeitkünstlern ihre Liebe zu verschiedenen Techniken entdeckt. Im Bernardbau stellt sie Malereien, Fotos und Seidentücher aus. Viele Motive zeigen die Rhön. Die modernen, abstrakteren Motive „kommen einfach aus meinem Bauch“, erklärt die 70-Jährige.

„Meditation“ nennt Helga Bechler ihre Werke. Das Gestalten großer Leinwände überlässt sie anderen. Ihre kleinformatigen Bilder sind geprägt von einer fernöstlich angehauchten Zartheit in Schwarz und Rot. „Erst jetzt habe ich den Mut gefunden, mich so auszudrücken“, erklärt die 76-Jährige.

Die Ausstellung der Offenbacher Freizeitkünstler ist noch bis zum 4. September im Haus der Stadtgeschichte, Herrnstraße 61, zu sehen.

Einmal in der Woche treffen sich die Freizeitkünstler, um sich auszutauschen und gemeinsam neue Techniken zu probieren. Eine davon ist die Enkaustik, mit der bunte Bilder aus heißem Wachs entstehen. Ursula Weiß hat sich zu Hause an ihrem Klapptisch daran versucht. Das Ergebnis hängt nun an der schneeweißen Wand im Bernardbau. Wenn sie entspannen will, steht sie früh auf, kocht morgens um sieben Uhr einen Eintopf für ihren Mann, stellt den Klapptisch im Wohnzimmer auf und malt. „Warum hab ich das nicht schon früher gemacht“, fragt sie sich selbst mit Blick auf ihre gelungenen Bilder.

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