Ältere im Job immer öfter Mobbing-Opfer

Offenbach ‐ Immer mehr ältere Arbeitnehmer werden ausgegrenzt und gemobbt. Hintergrund: Sie haben Verträge und entsprechende Löhne aus wirtschaftlich besseren Zeiten, sind vielen Unternehmen mithin zu teuer. Von Ralf Enders

Die Mobbing-Expertin und Sozialpädagogin Edith Schellhammer: „Die wirtschaftliche Situation hat die Lage gerade für ältere Arbeitnehmer verschärft.“ Das Mobbing geschehe oft gezielt, um die teuren Mitarbeiter loszuwerden, sagte sie dem „Senioren Ratgeber“.

In Baden-Württemberg hat die Deutsche Rentenversicherung vor zwei Jahren eine Mobbing-Hotline eingerichtet. Die Drähte glühen seitdem, und Projektleiterin Schellhammer hat festgestellt: Fast die Hälfte der Rat- und Hilfesuchenden sind älter als 45. Viele stehen dem Personalabbau in ihren Unternehmen im Wege. Betroffen seien vor allem Angestellte aus Büroberufen. Manche seien so verzweifelt, dass sie freiwillig das Feld räumen, also kündigen und sich in Arbeitslosigkeit oder Frührente begeben.

Schellhammer rät den Opfern der Attacken, früh aktiv zu werden und nicht so zu tun, als fielen die Feindseligkeiten nicht auf. Sie sollen sich im Unternehmen Verbündete suchen und externe Hilfe in Anspruch nehmen. Es gibt zahlreiche Beratungsstellen für Mobbing-Opfer.

Soziale Spannungen am Arbeitsplatz sind für alle Beteiligten teuer. Die Kranken-, Unfall- und Rentenversicherer müssen deutlich mehr für Heilbehandlungen, Reha-Maßnahmen oder Frühverrentung ausgeben. Auf die Arbeitslosenversicherung kommen weitere Kosten zu. Insgesamt schätzen Experten den volkswirtschaftlichen Schaden auf jährlich mehr als 20 Milliarden Euro.

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