Weidel macht den Bosbach

Kommentar: AfD-Frontfrau verlässt ZDF-Talkrunde

Achtung! Beleidigte Leberwürste entern den Bildschirm! Das vorzeitige Verlassen von Talk-Sendungen zum Zwecke der Effekthascherei ist in Mode gekommen. Für die Nummer von AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel, die die ZDF-Wahlsendung „Wie geht’s, Deutschland?“ vorzeitig verlassen hat, lieferte der ebenso unprofessionelle Abgang von Wolfgang Bosbach vor knapp zwei Monaten die Blaupause. Von Frank Pröse

Weidels miserabel inszenierte Empörung entspringt dem Kalkül ihrer Partei, mit „Eklats“ größtmögliche und in der Folge Medienresonanz zu provozieren. In Kenntnis des nächsten für die AfD unerquicklichen Themenkomplexes spielt die beim Austeilen auch nicht gerade zimperliche gnädige Frau das Opfer, dem eine weitere Debatte nicht zuzumuten sei. Das ist einfach lächerlich, weil durchschaubar.

Die AfD präsentiert sich von jeher als unverstandene, ungerecht behandelte und verleumdete Partei. Versucht man die Frontmänner und -frauen zu stellen, sind sie mit der Maus ausgerutscht, wurden sie falsch zitiert oder überhaupt nicht richtig befragt. Umhüllt ist das alles von einem rechtradikalen Mantel, der sich auch nicht ablegen lässt, indem die Flucht aus einer Talkshow ergriffen wird. Die Mehrheit wird das so sehen. Doch mit ihrer Opfer-Strategie schließt die AfD die eigenen Reihen, was an den Reaktionen im Internet abzulesen ist. Insofern ist die Strategie einer Parteispitze aufgegangen, die sich die Rollen als Gut und Böse zur Bedienung der verschiedenen AfD-Flügel teilt.

Machtkampf in der AfD vor Parteitag in Köln

Festzuhalten bleibt: Auf eine Abgrenzung von den Rechtsradikalen im eigenen Verein kann das TV-Publikum lange warten. Da flüchtet die Kandidatin für den Bundestag lieber aus der Talkshow eines Lügensenders, der nach ihrer Auffassung mit einem Gebührenboykott belegt werden soll. Das ist irre!

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