Alkoholverbot in Bahnhöfen

Kommentar: Kein Ort zum „Vorglühen“

So ist das mit dem „Public Drinking“: So lange es im Rahmen bleibt, stört es keinen Menschen. Wenn aber, wie in Nürnberg, der Hauptbahnhof zur Party-Zone wird, fühlen sich Reisende belästigt. Zu Recht, denn ein Bahnhof ist primär bekanntlich zum Verreisen da. Von Ralf Enders

Das heißt nicht, dass die Bahn ihr Hausrecht nach Belieben anwenden kann. Auch für sie gilt im Prinzip, was das Bundesverfassungsgericht dem Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport Anfang vergangenen Jahres ins Stammbuch geschrieben hat: Wer einen Marktplatz schafft - sprich Flaniermeilen, auf denen sich möglichst viele Kunden tummeln sollen - muss damit leben, dass es dort auch zugeht wie auf einem Marktplatz. Für Fraport bedeutete das die Duldung etwa der Demonstrationen von Fluglärmgegnern jeden Montag. Auch die Deutsche Bahn wird damit leben müssen, dass nicht jeder in ihren Bahnhöfen mit dem Zug fahren will.

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Sie muss aber nicht damit leben, dass sich ihre Kunden den Weg zum Zug durch Betrunkene und deren Erbrochenes bahnen müssen. Die Schließfächer in Nürnberg, so berichtet die Bundespolizei, sind zu einer „logistischen Basis“ für die nächtlichen Feiern geworden; sie dienen als Lager für Bier und Schnaps, und hinter den Stahlschränken verwandeln sich bürgerliche Mädchen in miniberockte Vamps.

Die Bahn tut gut daran, solche Szene-Treffs trockenzulegen. Nicht, dass man partywütigen Jugendlichen den Spaß verderben will. Aber warum, bitteschön, soll das Unternehmen Plätze zum „Vorglühen“ bieten und bezahlen, bloß weil in den Clubs und Discos das Betrinken für die Klientel unerschwinglich ist?

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