Hartz IV

Kommentar: Alles andere als großzügig

Es mag glückliche Hartz-IV-Empfänger geben. Der Schreiber dieser Zeilen hat sie indes noch nicht auszumachen vermocht. Seiner Erfahrung nach hadern die allermeisten der auf „Staatsknete“ angewiesenen Menschen mit ihrem Schicksal, würden es ändern - wenn das immer so einfach ginge. Von Lutz Kämpfe

Sicher spielen bei vielen der Hartz-Karrieren auch persönliche Defizite eine Rolle. Aber was heißt schon Defizit? Niemand würde ernsthaft auf die Idee kommen, eine Schildkröte in ein Wettrennen gegen eine Gazelle zu schicken. Vielfach aber hat gesellschaftliche Wirklichkeit in Deutschland in der Tendenz mittlerweile den Charakter eines solchen Wettlaufes.

Und es gibt immer mehr zuschauende „Gazellen“, die das für gerecht halten. So werden denn aus Menschen, die auf staatliche Transferleistungen angewiesen sind, Risiken für die öffentlichen Finanzen, wirtschaftlich nutzlose Objekte, lästige Problemfälle, die dem Rest ungerechtfertigterweise auf der Tasche liegen. Hier zeigt sich eine kalte und menschenfeindliche Einstellung, die mehr und mehr gerade in den gutbürgerlichen Schichten Deutschlands üblich wird. Dies ist übrigens keine solitäre Einschätzung aus der Perspektive des Redaktionsschreibtisches, sondern lässt sich in der Langzeitstudie „Deutsche Zustände“ des Bielefelder Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung so nachlesen.

Fünf Euro Erhöhung bewilligte der Bundestag gestern pro Monat und pro Erwachsenem an Hartz-Bezügen. Das mag ein karges Auskommen sichern, großzügig ist es nicht. Angst aber macht vor allem die Begleitmusik solcher Beschlüsse: Rechte leiten sich aus Finanzkraft ab, und Solidarität ist eine Floskel für Gewerkschaftsansprachen.

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