Amerika und die Schuldenfalle

Kommentar: Peinliches Theater

Nach der Krise ist vor der Krise. Die Welt hatte den Atem angehalten. Doch die USA haben die Kurve genommen - wieder einmal. Von Marc Kuhn

In letzter Minute haben sich die Verantwortlichen auf einen Kompromiss im Schuldenstreit geeinigt. Ein peinliches Theater haben sie in den vergangenen Wochen aufgeführt. Der nächste Akt ist bereits angekündigt. Anfang 2014 geht der Nervenkrieg um die Finanzen weiter.

Es ist Zeit, dass sich Washington endlich seiner Verantwortung stellt. Allzu gerne betonen die Politiker im Senat und Repräsentantenhaus ebenso wie der Präsident das weltpolitische Gewicht Amerikas. Die größte Volkswirtschaft der Erde treibt mit dem nun schon dreijährigen Gezerre um das Schuldenlimit aber die Märkte und Wirtschaftsräume regelmäßig an den Rand des Chaos.

Glaubwürdiges Konzept vonnöten

Die USA müssen das Problem rasch grundsätzlich lösen. Schließlich drohen nicht nur amerikanische Unternehmen Schaden zu nehmen. Und: Der Präsident muss ein glaubwürdiges Konzept zum Abbau der unvorstellbar hohen Schuldenberge vorlegen.

Doch die Schaukämpfe der vergangenen Monate haben gezeigt, wie tief gespalten Amerika spätestens seit der Wahl Barack Obamas zum Präsidenten 2008 ist. Für Republikaner sind zentrale Elemente seiner Politik wie die Gesundheitsreform einfach nicht akzeptabel. Sie haben hoch gepokert - so wie der Präsident und seine Partei.

Am Ende haben alle verloren. Das Ansehen von Demokraten wie Republikanern hat Schaden genommen - in den USA wie auf der ganzen Welt. Politische Egoismen sind ihnen wichtiger als verantwortungsvolles Handeln.

Der Dollar leidet

Vielleicht kann wirtschaftlicher Druck mittelfristig zu einem Umdenken beitragen. Schließlich werden Investoren, allen voran die Chinesen, von den Unsicherheiten jenseits des Atlantiks abgeschreckt. Darunter leidet auch der Dollar als Leitwährung. Die von der Schuldenkrise geplagten Europäer mag das freuen. Anleihen in Euro und Engagements bei Firmen vor allem in Deutschland sind bereits länger attraktiv für Investoren.

marc.kuhn@op-online.de

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