Kommentar zur Lage in Ägypten

Kommentar: Anfang vom Ende

Im Nahen Osten gilt stets das geflügelte Wort, dass heute niemand weiß, was morgen sein wird. Eine Vorhersage für politische Entwicklungen zu treffen, ist meist schwierig bis unmöglich. Von Jörg S. Carl

Doch wer den gestrigen Tag als den Anfang vom Ende des Mubarak -Regimes markiert, dürfte so falsch nicht liegen. Nichts wird mehr so sein, wie es war in Ägypten. Damit eine freiheitliche Revolution in absolutistischen Staaten erfolgreich ablaufen kann, sind mindestens drei Faktoren nötig: das Militär bleibt neutral oder schlägt sich auf die Seite der Bürger, die Opposition einigt sich auf ein gemeinsames Vorgehen, und die Demonstrationswellen erfassen das ganze Land.

All das geschieht in diesen Tagen in Ägypten. Unterschiedliche Kräfte formieren sich für ein gemeinsames Ziel: die Ablösung der modernen Pharaonen-Herrschaft. Ägyptens militärische Führung hat versprochen, nicht mehr auf die eigene Bevölkerung schießen zu lassen. Die verschiedenartigen Oppositionsgruppen sind willens, eine Regierung der nationalen Einheit zu bilden. Und mit dem Friedensnobelpreisträger El Baradei und dem Chef der arabischen Liga, Mussa, steht massentaugliches politisches Führungspersonal bereit.

Schließlich das Wichtigste: Die Demonstranten werden beinahe täglich mehr, und je mehr sie werden, desto mutiger sind ihre Aktionen und maximaler ihre Forderungen: Das gesamte System Mubarak soll weg. Seit gestern scheint festzustehen: Es wird verschwinden.

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