Klonfleisch

Die Angst isst mit

Der Käse ist kein Käse, und das Schnitzel wurde aus mehreren Resten zusammengeklebt. Solche Unappetitlichkeiten haben wir längst auf Tisch. Dank Europa parlament kann jeder inzwischen auf der Verpackung nachlesen, ob die Pizza mit Analogkäse belegt oder bei der Eiscreme an Milch gespart wurde. Fernab aller gesundheitlichen Risiken hat der Kunde ein Recht darauf zu wissen, was er kauft. Zumal wenn er - aus welchen Gründen auch immer - bestimmte künstlich zusammengebastelten Lebensmittel ablehnt. Um wie viel gravierender ist das Problem beim Fleisch geklonter Nachkommen? Von Detlef Drewes, Brüssel

Die EU-Kommission mag Recht haben: Es drohen keine Gesundheitsgefahren. Genau weiß das zwar niemand, aber bisher existieren zumindest keine Belege für erkennbare Risiken. Sieht man von den Qualen ab, die die Tiere selbst erleiden müssen. Diese sind unbestritten. Ebenso wie die Bedeutung des Tierschutzes in den europäischen Verträgen. Was spräche also gegen eine Kennzeichnungspflicht?

Der Verbraucher hat mit Recht aus den Lebensmittel-Skandalen der zurückliegenden Jahre gelernt. Und gerade die EU-Institutionen haben aus diesen Vorgängen die einzig richtige Konsequenz gezogen: die Kennzeichnungspflicht. Diese ausgerechnet bei Tieren, die aus dem umstrittenen Klon-Prozess entstanden sind, zu verweigern, kann nur einen Grund haben: Man ahnt, dass der Verbraucher solche Produkte ablehnen wird. Dass man ihm jetzt aber auch noch jede Möglichkeit nimmt, alles über die Herkunft der Erzeugnisse zu erfahren, kommt einer bewussten Täuschung gleich. Und einer Attacke auf die selbst verordnete Transparenz, die man doch gerade wegen der hohen Qualität der hierzulande produzierten Nahrungsmittel immer gefordert hat.

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