Lebensmittel-Kennzeichnung

Kommentar: Ansätze über Bord

Jeder zweite Erwachsene in Deutschland und jedes sechste Kind gelten als übergewichtig: Für sie hätten rot unterlegte Fett- und Zuckergehalte auf Nahrungsmittelpackungen wichtige Warnhinweise zum Kürzertreten sein können. Von Wolfgang Riek

Dasselbe gilt, was Salz angeht, für Millionen mit Bluthochdruck. Kein Wunder, dass Kinderärzte, Herzstiftung und Krankenkassen-Spitzenverband sich für die Ampel-Kennzeichnung starkgemacht haben. Falsche Ernährung und Übergewicht tragen in hohem Maße zu Herz-Kreislauferkrankungen bei - und die sind nach wie vor Todesursache Nummer eins.

Lange debattiert, kaum etwas erreicht: Was die EU-Minister vorgelegt haben, hat unter massiver Lobbyarbeit der Nahrungsmittel-Industrie gesundheitspolitische Ansätze weitgehend über Bord geworfen. Der Minimalkonsens zu Nährwerten macht Übergewichtigen und Bluthochdruckpatienten schlimmstenfalls noch Augenprobleme und Kopfschmerzen. Von der Suche nach den Nährwerttabellen: Bei der Schriftgröße reichen 1,2 Millimeter in der Höhe für Kleinbuchstaben. Und vom Dauerkopfrechnen, weil Einzelgrammwerte in Bezug zum Tagesbedarf gesetzt werden müssen.

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