Atomausstieg: So gehts weiter

+
Die letzten deutschen Atomkraftwerke werden wohl 2022 vom Netz gehen, darauf einigten sich die Länderministerpräsidenten bei einem Treffen in Berlin.

Berlin - Beim Treffen der Ministerpräsidenten wurden einige Entscheidungen getroffen, andere wurden vertagt. Was der Plan ist für die kommenden Jahre und was noch zu klären ist:

Schrittweise Abschaltung der Kraftwerke

Die 17 Atomkraftwerke in Deutschland werden stufenweise bis 2022 abgeschaltet. Jedem AKW werde ein Ausstiegsdatum zugeordnet, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach einem Gespräch mit den Ministerpräsidenten am Freitag in Berlin.

Die Atomkraftwerke in Deutschland und Europa

Die Atomkraftwerke in Deutschland und Europa

Merkel und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff nannten über die dauerhafte Stilllegung der bereits abgeschalteten acht Meiler hinaus die Jahreszahlen 2015, 2017, 2019 und 2021/22. Die Kanzlerin sagte, jedem AKW werde ein Enddatum zugeordnet, damit es keinerlei Ausweichmöglichkeiten mehr geben könne. Die letzten drei - das sind die neuesten Meiler - werden 2022 abgeschaltet.

Die Kaltreserve bleibt

Die umstrittene sogenannte Kaltreserve, wonach ein AKW für den Fall von Stromengpässen vorgehalten werden soll, wird zunächst trotz der Bedenken der Länder bleiben. Allerdings sagte Haseloff, Merkel habe ausdrücklich erklärt, wenn es technisch möglich sei, solle diese Kaltreserve konventionell über Kohle oder Gas sichergestellt werden.

Grüne fordern Merkel zu weiteren Verhandlungen auf

Die Grünen haben eine Zustimmung zu den Koalitionsplänen für die geplante Energiewende an weitreichende Bedingungen geknüpft. “Wir würden uns über Ihre Bereitschaft freuen, noch vor der Entscheidung in Koalition und Kabinett am kommenden Montag den Versuch einer Einigung mit den Oppositionsparteien zu unternehmen“, schrieben die Fraktionsvorsitzenden Renate Künast und Jürgen Trittin sowie die Parteichefs Claudia Roth und Cem Özdemir am Freitag an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem Brief, der der Nachrichtenagentur dpa in Berlin vorlag. Dabei gehe es nicht bloß um Details, sondern um die Eckpunkte der Koalition insgesamt.

Diese deutschen AKWs müssen sofort vom Netz

Diese deutschen AKWs müssen sofort vom Netz

So müsse der Atom-Ausstieg durch eine kontinuierliche Abschaltung der AKW erfolgen, schrieben sie noch vor Merkels Zusage einer stufenweisen Abschaltung. Der Ausbau von Erneuerbaren Energien und von flexiblen Gaskraftwerken müsse forciert werden, verlangten die Grünen weiter. Atom dürfe nicht durch zusätzliche Kohle ersetzt werden. Und es müsse bundesweit offen und vergleichend nach dem besten Endlagerstandort für Atommüll gesucht werden. Ein Konsens in Deutschland scheine möglich.

Kraft: Breiter Atom-Konsens möglich

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sieht die Möglichkeit zu einem “breiten parteipolitischen Konsens“ über den Ausstieg aus der Atomkraft. Entscheidend sei, dass der Prozess unumkehrbar angelegt werde und es keine Hintertüren gebe, sagte Kraft nach dem Treffen der Länderregierungschefs.

Merkel: Kraftwerke bekommen 32 Jahre Laufzeit

Die Regierung will durch eine Beschränkung der Laufzeiten pro Atomkraftwerk auf 30 Jahre die angekündigte stufenweise Abschaltung der neun verbleibenden AKW erreichen. Das sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Freitag in Berlin. Eine Begrenzung auf 30 Jahre hatten vor allem SPD und Grüne gefordert. Merkel betonte, die gefundene Regelung solle das Vertrauen in den Atomausstieg erhöhen.

Damit öffnete Merkel die Tür zu einem großen parteiübergreifenden Konsens. Mit der Änderung der ursprünglichen Regierungspläne kann die Gefahr umgangen werden, dass durch Strommengenübertragen von stillgelegten Kernkraftwerken auf verbliebene Meiler die Anlagen allesamt erst 2021 und 2022 vom Netz gehen. Nun sind durch die Begrenzung auf 30 Jahre pro AKW Abschaltstufen in den Jahren 2015, 2017, 2019 und 2021 und 2022 möglich

dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare