Kommentar: Aufbruch sieht anders aus

Knud Dittmann, Vorsitzender des hessischen Philologenverbands, spricht das an, was immer wieder in der Diskussion über „Sinn und Unsinn des Projekts Selbstständige Schule“ zu hören ist. Von Peter Schulte-Holtey

„Die Qualität von Schule lässt sich an der Qualität des Unterrichts und nicht an der Art der Administration messen“, sagt der Leiter der Ricarda-Huch-Schule in Dreieich. Anders gesagt: Bei vielen Lehrern (und Eltern) wird befürchtet, dass die Schulen durch die Reform von Kultusministerin Dorothea Henzler mehr und mehr in eine betriebswirtschaftliche Ausrichtung gedrängt werden - und die Pädagogik zu kurz kommt.Tatsächlich ist die wohl wichtigste Schulreform der Landesregierung voller Fallstricke.

Zwar sind sich alle Experten darin einig, dass die Stärkung der Schulen vor Ort zu besseren Bildungsergebnissen führen kann. Es stimmt! Man kann nicht pauschal in einem Schulministerium in Wiesbaden oder in den Kommunalverwaltungen entscheiden, was und wie Schulen arbeiten müssen. Das sollte in jeder Schule geschehen, und dazu braucht man individuelle Freiheit.

Es geht also um Freiräume für Lehrer

Doch die meisten Früchte tragen jene Reformen, die den Unterricht und das Knowhow des Lernens und Lehrens verbessern. Es geht also um Freiräume für Lehrer, die gegenseitig Unterrichtsstunden besuchen und Methoden und Ziele absprechen; um Schulleitungen, die sich - dank der Hilfe durch Verwaltungsfachkräfte - auf pädagogische Verbesserungen konzentrieren können. Aufgabe der Politik ist es, vor allem solche Prozesse anzustoßen und einzufordern. Dies kann aber nur funktionieren, wenn den Schulen die notwendigen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Genau dies muss aber beim Blick auf das gestern von Ministerin Henzler vorgestellte Projekt bezweifelt werden.

Versprochen wurde eine sinnvolle Therapie, doch der große Schulpolitik-Aufbruch ist es bislang noch nicht.

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