Banken auf die Finger schauen

Offenbach - „Das reicht nicht“, sagt Jutta Gelbrich, Vorstand der Verbraucherzentrale-Hessen, und kritisiert die Beschlüsse der Koalitionsspitzen für ein Gütesiegel bei Finanzprodukten und die Aufstockung der Staatsförderung der Stiftung Warentest in Höhe von 1,5 Millionen Euro.

Die Verbraucherschützerin fordert, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, die Bafin, den Banken die auf die Finger schaut. Und wenn dies politisch nicht gewollt sei, müsse mit anderen Instrumenten die Verbraucherseite gestärkt werden. Vor allem müssten Prüfungen aktuell sein: „Es können nicht alle auf dem Markt befindlichen Produkte zeitnah von der Stiftung Warentest getestet werden“, gibt sie zu bedenken. Unser Redaktionsmitglied Peter Schulte-Holtey fragte bei Gelbrich nach.

Wo liegen die größten Probleme?

Der Markt ist ausgesprochen erfinderisch, immer wieder neue Angebote zu kreieren, die viel versprechen, weniger halten und von Verbrauchern meist schwer einzuschätzen sind. Und eine noch so gute Produktbewertung ersetzt nicht die persönliche Beratung. Denn Testergebnisse müssen interpretiert und verstanden und auf die Situation des Betroffenen angepasst werden.

Altersvorsorge, Versicherungen und Geldanlage - viele suchen Rat ...

Ja - der Andrang bei uns ist enorm. Es ist ja auch wichtig: Jeder Verbraucher hat mindestens vier Mal in seinem Leben Bedarf nach umfassender Beratung bezüglich der Risiko-, Alters- und sonstigen Vorsorge. Wenn er dafür jedesmal unsere unabhängige Beratung in Anspruch nehmen könnte, würde er sein Geld sinnvoll investieren, wäre gegen alle wichtigen Risiken abgesichert und würde Geld sparen.

Sie möchten gerne mehr beraten ...

Wir können dies aber nicht, es gibt zu wenig Personal und zu wenige Beratungsstellen. Für viele Ratsuchende ist die nächste Einrichtung zu weit entfernt, für manche Spezialberatungen muss lange auf den nächsten freie Termin gewartet werden. Wir bieten den Ratsuchenden fast überall kompetente Beratung an. Weniger aktiv können wir im Bezug auf verbandsrechtliche Aktivitäten, z. B. Klagen, sowie im präventiven Bereich sein. Derzeit sind wir froh, dass wir trotz Schuldenbremse keine Kürzungen erfahren, aber dennoch ist festzuhalten, dass die Verbraucherzentrale Hessen unterdurchschnittlich mit Landesmitteln gefördert wird. Um uns auf Bundesniveau zu bringen, wäre eine Verdoppelung um ca. eine Million Euro im Jahr erforderlich.

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