Kommentar: Beihilfe zum Betrug

Die Wirtschaft schrumpft, die Schwarzarbeit floriert: Gerade in Krisenzeiten, bei wachsender Arbeitslosigkeit, erlebt die Schattenwirtschaft eine neue Blüte. Bereits jeder dritte Bundesbürger lässt schwarz arbeiten. Besonders beunruhigend ist das sinkende Unrechtsbewusstsein: Nur noch 20 Prozent der Deutschen haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie Steuern oder Sozialabgaben hinterziehen. Von Holger Eichele

Eine Mehrheit scheint Schwarzarbeit fast schon als Bürgerrecht zu empfinden, jedenfalls nicht als Betrug.

Der Staat hat zu der Misere, die er laut beklagt, selbst beigetragen: Durch immer höhere Steuern und Abgaben, durch behördliche Bürokratie. Die Zurückhaltung, die der Finanzminister seinen Steuer- und Zollfahndern bei der Verfolgung privater Schwarzarbeiter auferlegt hat, kommt einem Schuldeingeständnis gleich.

Der Staat duldet die Schattenwirtschaft, weil sie längst unverzichtbar geworden ist - etwa bei der häuslichen Altenpflege oder der Kinderbetreuung, wo der Staat selbst versagt. Statt die Defizite zu beheben und die Bedingungen für legale Beschäftigung zu verbessern, hat sich die Politik entschieden, die Schwarzarbeit zu dulden. Das ist nichts anderes als Beihilfe zum Betrug.

politik@op-online.de

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