Biosprit-Gipfel

Vom Berg und der Maus

Was haben der Stromausfall im Berliner Regierungsviertel und der Beschluss zur Einführung von E10 gemeinsam? Genau: Der eine Blackout war gestern, der andere liegt schon eine Weile zurück. Von Ulrich Kaiser

Total verunsicherte Autofahrer, ein Massenboykott des Biosprits an der Tanke, eine vergräzte Mineralölwirtschaft und eine kalt erwischte Politik: Wieder sollte es ein Gipfel richten - wie der Integrationsgipfel (der nichts gebracht hat) oder ein Quotengipfel (der auch nichts bringen wird). Getreu dem Motto aller entscheidungsunfähigen Entscheidungsträger: Wenn ich nicht mehr weiter weiß, bild‘ ich einen Arbeitskreis.

So kreißte der Berg unter dem Gipfel und gebar - ja was wohl: bessere Aufklärung (hätten wir vorher haben können), mehr Verbindlichkeit bei etwaigen Schäden (wollten wir auch schon vorher) und intensivere Werbung für ein Benzin mit keineswegs astreiner Ökobilanz (wollen wir das wirklich?).

Aber machen wir uns nicht mausig. Was bleibt, ist ein ziemlich ramponierter Umweltminister (CDU), den der Kollege Wirtschaftsminister (FDP) sauber vorgeführt hat. Und die durchaus nicht neue Erkenntnis, dass der Biosprit-Schlamassel sich mit einem frühzeitigen Informationspaket und gründlicher Überzeugungsarbeit wohl leicht hätte vermeiden lassen. Als ob sie damals alle besoffen gewesen wären, als sie dem alkoholisierten Sprit forsch den Weg bereiteten.

Das ist so ähnlich, als wollte ein Unternehmen ein neues Betriebssystem einführen, ohne sich vorher dessen Akzeptanz bei den Mitarbeitern zu versichern. Undenkbar!

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