Kommentar: Unfall bei „Wetten, dass..?“

Besonnen reagiert

The show must go on? Nein - das muss sie nicht immer. Das ZDF und Thomas Gottschalk haben alles richtig gemacht, als sie der Dauerbrenner-Familienshow „Wetten, dass ..?“ nach dem dramatischen Unfall des Kandidaten den Strom abdrehten - allen vertragsrechtlichen und sicher teuren Konsequenzen zum Trotz. Von Markus Hanneken

Und nicht nur das: Schon das Verhalten der Regie während der Erstversorgung - die Kameras vom Ort des Schreckens wegzuhalten - verdient Respekt, weil es den Vorwurf des Voyeurismus schon im Vorfeld ersticken und eine besonnene und sehr menschliche Reaktion ermöglichen konnte.

Ob RTL und Co. das auch gelungen wäre ...?! Es ist müßig zu spekulieren, ob der Unfall geschehen ist infolge steigenden Quoten- und Konkurrenzdrucks. Denn Fakt ist, dass es gefährliche Einsätze bei TV-Spielshows immer wieder gegeben hat – bei „Wünsch Dir was“, „Spiel ohne Grenzen“ und eben auch zuvor bei „Wetten, dass ..?“.

Dass es bislang immer glimpflich ausging, ist sicher einem starken Sicherheitsdenken und großer Umsichtigkeit zu verdanken – aber eben auch einer erheblichen Portion Glück. Denn ein solcher Unfall kann überall passieren, wo Menschen sich bewegen und große sportliche Leistungen vollbringen. Dass das ZDF in diesem Fall fahrlässig gehandelt hat, ist leichter gesagt als belegt - denn vor allem der Kandidat ist an die ohnehin sehr risikoreiche Wette mit besonders großem Trotz herangegangen.

Gleichwohl ergibt sich die Notwendigkeit, die Diskussion über Grenzen von Fernsehen und die Fürsorgepflicht von Fernsehschaffenden zu führen. Sie hat kurz nach dem Drama bereits begonnen - und zwar auf einem wohltuend sachlichen Niveau.

Rubriklistenbild: © op-online

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare