Die Bettlägerigen reichen nicht

Frankfurt - Sollen die Krankenhäuser immer nur Geld mit Kranken verdienen dürfen, die fest im Bett liegen? Nein, sagt die Hessische Krankenhausgesellschaft (HKG). Von Michael Eschenauer

Der Dachverband der Krankenhausträger in Hessen, in dem über 170 Akutkrankenhäuser mit 35 000 Betten und 70 000 Beschäftigten zusammengeschlossen sind, legte gestern Vorschläge zu dem von der schwarz-gelben Koalition in Berlin geplanten „Gesetz zur Verbesserung der Versorgungsstrukturen in der Gesetzlichen Krankenversicherung“ vor. Kernpunkt: Der bisher diskutierte Entwurf konzentriere sich zu stark auf die niedergelassenen Ärzte. Um aber Lücken in der ambulanten medizinischen Versorgung außerhalb der Kliniken zu verhindern und teure Doppelangebote zu vermeiden, sollen künftig fest in den Kliniken angestellte Ärzte - insbesondere Fachärzte aber auch Hausärzte - bei Bedarf dauerhaft die Aufgaben der niedergelassenen Kollegen einschließlich der ambulanten Notfallversorgung übernehmen. „Dies ist ein Angebot zur Sicherstellung einer hochwertigen Versorgung der hessischen Bevölkerung“, sagte HKG-Präsident Peter Römer.

„Wir stehen vor einem steigenden Ärztebedarf“

„Aus verschiedenen Gründen wie strikteren Arbeitszeitreglungen, der zunehmenden Zahl von familiär eingebundenen und deshalb teilzeitarbeitenden Ärztinnen, der Spezialisierung und der zunehmenden Zahl von Patienten stehen wir vor einem steigenden Ärztebedarf“, stellte Römer fest. Deshalb müsse die strikte und oft ineffiziente Trennung in stationäre und ambulante Strukturen überwunden werden. Es sei sogar denkbar, den bisher bei der Kassenärztlichen Vereinigung angesiedelten ambulanten Sicherstellungsauftrag teilweise auf das nächste Krankenhaus zu übertragen.

Das unlängst vom Vorstand der HKV verabschiedete Positionspapier, das sich „als Angebot der Krankenhäuser an die Politik und die Partner im Gesundheitswesen“ versteht, liegt Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) vor und soll Anfang September mit ihm erörtert werden. Bei den Kliniken sei der Vorstoß auf Zustimmung gestoßen, sagte HKG-Vize Dieter Bartsch.

Ländliche Patienten müssen oft auf Kliniken ausweichen

Die Lösung von Problemen wie der Abwanderung von Ärzten aus ländlichen Gebieten Nord- und Osthessens, aber auch aus sozial schwächeren Stadtteilen könnte - wird die Vorstellung der Klinik-Lobbyisten Realität - also darin liegen, dass die Patienten eben nicht mehr zu ihrem selbstständigen Arzt mit eigener Praxis gehen, sondern zum Kollegen mit gleicher oder sogar besserer Ausstattung in einer nahen Klinik. Denkbar, so Rainer Greunke, Geschäftsführender HKG-Direktor, sei auch der Klinik-Mediziner, der regelmäßig Sprechstunden in unterversorgten Gegenden anbiete. Sogar spezielle Beförderungsangebote seien möglich. Immerhin könne man überall in Hessen eine Klinik binnen 30 Minuten erreichen. Abgerechnet wird über die Klinik als Arbeitgeber des Arztes.

„Das System der Belegärzte und das Konzept der Medizinischen Versorgungszentren unter Krankenhausleitung hat die Lage schon verbessert und muss weiter gefördert werden“, so Römer. Aufbauen könne man außerdem auf die bereits erlaubten ambulanten Behandlungsmöglichkeiten zum Beispiel bei Operationen oder der spezialfachärztlichen Versorgung. „Dies tut dem Patienten gut und er sollte auch selbst entscheiden können, von wem und wo er sich behandeln lässt“, so Römer. Er wies auf das Problem mancher Menschen hin, die zum Beispiel nach einer Operation zum externen Facharzt wechseln müssten, aber viel lieber in der Obhut des behandelnden Krankenhausarztes geblieben wären. Schon jetzt existiere ja eine weitgehende Zusammenarbeit, zum Beispiel im Bereich der Aus- und Weiterbildung von Ärzten und Pflegepersonal, die zum Teil zu 100 Prozent in den Krankenhäusern erfolge. „Dies ist keine Kampfansage an die niedergelassenen Ärzte, sondern der Versuch, sich abzeichnende Probleme zu lösen“, betonte Greunke.

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