Unterhalt für Eltern

Kommentar: Blut dicker als Wasser?

Blut ist dicker als Wasser. Der Bundesgerichtshof hat die Wahrheit dieses alten Spruches wieder einmal bestätigt: Leibliche Verwandtschaft verbindet und verpflichtet mehr, als dies irgendeine andere Beziehung könnte. Von Tibor Pézsa

Das gilt selbst für angeheiratete Verwandte und solche, die durch Taufwasser zu Paten geworden sind. Und es gilt auch dann noch, wenn Eltern und Kinder jahrzehntelang nichts mehr voneinander wissen wollten.

Angesichts des Karlsruher Urteils werden Vertreter der sogenannten Sandwich-Generation ins Schlucken kommen: Zwar befinden sie sich im besten Alter. Aber sie sind mitunter von allen Seiten her belastet: Vielfach selbst nur Einzelkinder, müssen sie neben ihren beruflichen Verpflichtungen für ihre pflegebedürftigen Eltern aufkommen und selbstverständlich auch für die eigenen Kinder.

Doch diese Sorge ist unberechtigt. Das gestrige Urteil ändert nichts an der grundsätzlichen Rechtslage, dass niemand gezwungen werden kann, wegen der finanziellen Unterstützung für Eltern oder Kinder seinen eigenen Lebensstandard übermäßig zurückzuschrauben oder gar selbst zum Bedürftigen zu werden.

Aber was ist aus uns geworden, wenn solche Fragen nicht mehr selbstverständlich geklärt werden können, sondern erst durch einen Richter? Blut ist dicker als Wasser? Früher war das mal so.

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