Lkw-Elefantenrennen

Kommentar: Branche in Aufruhr

Ganz klar, da musste die Lastwagen-Lobby vorbeugen. Tempo 80 europaweit, aber keine generellen Überholverbote, so ihre Forderung. Hintergrund: In Goslar diskutieren ab heute 1 600 Fachleute von Behörden, Ministerien, Verkehrsclubs, Verbänden und Versicherungen über den beängstigend stark zunehmenden Lkw-Verkehr. Von Ralf Enders

„Motor der Wirtschaft oder rollende Bombe?“ - allein dieses Motto des einflussreichen Verkehrsgerichtstags bringt die Branche genügend in Aufruhr, um sich dem Tempolimit zu fügen. Aber mehr bitte nicht. So lassen sich die gefährlichen Elefantenrennen nicht eindämmen.

Gewiss: Ein generelles Überholverbot für Lastwagen klingt für Autofahrer verlockend, ist aber illusorisch. Und es ist den Lkw-Fahrern im Übrigen auch nicht zuzumuten, von Nürnberg bis Frankfurt hinter einem langsameren Kollegen herzuschleichen. Aber was spricht gegen ein Überholverbot auf sensiblen und stark belasteten Streckenabschnitten, etwa der A 3 im Rhein-Main-Gebiet zwischen Wiesbaden und Aschaffenburg?

Bleibt die Frage nach der Zahl der Lkw auf unseren Straßen. Deutschland ist zweifellos ein Transitland, und Mandarinen lassen sich nicht per E-Mail verschicken. Doch sie müssen nicht ausschließlich per Lkw reisen. Zwar nimmt der Güterverkehr auf der Schiene in Deutschland zu, mehr als drei Viertel aller Waren werden jedoch nach wie vor mit Lastwagen verschickt. Politik und Bahn vernachlässigen den Güterverkehr auf der Schiene mit System. Stattdessen fließen Milliarden in den Ausbau von Hochgeschwindigkeitsstrecken, auf denen Reisende dann drei Minuten sparen.

Zudem haben wir es, zum Teil zumindest, beim Einkauf selbst in der Hand, den Lkw-Kollaps zu verhindern. Muss etwa Milch oder Bier durch ganz Deutschland gefahren werden, wo es genügend Produzenten um die Ecke gibt?

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