Nato und Libyen-Einsatz

Bündnis ohne Gewicht

Am Tag der Kommandoübernahme hat die Nato die erste Schlacht schon verloren. Das kraftvollste Militärbündnis der Welt kommt nicht als vereinte Streitmacht im Auftrag der Vereinten Nationen daher, sondern als zerstrittener Haufen williger und unwilliger Partner, die sich auf einen zerbrechlichen Kompromiss verständigt haben. Von Detlef Drewes, Brüssel

Zu allem Überfluss legt US-Präsident Barack Obama mit seiner Forderung nach Waffenlieferungen für die Rebellen noch zusätzlich Feuer, damit die ohnehin fragile Eintracht auch keinesfalls lange hält. Dass der Nato-Generalsekretär dem amerikanischen Präsidenten in aller Öffentlichkeit widerspricht, ist ein einmaliger Vorgang. Die Allianz ist beschädigt. Und daran haben alle mitgewirkt: diejenigen, die es kaum erwarten konnten, endlich ihre Bomber loszuschicken. Aber auch diejenigen, die erst ein Einschreiten forderten und sich dann von den Konsequenzen ihrer eigenen Worte wieder zurückzogen.

Auf eine fast schon perverse Weise ist es Gaddafi somit gelungen, den Westen gegeneinander aufzuhetzen. Die Zeiten, in denen sich die Verbündeten inklusive Deutschlands zu Einsätzen zum Schutz unterdrückter Menschen verpflichteten, scheinen vorbei. Darüber kann auch der Kommandowechsel in der neapolitanischen Einsatzzentrale der Allianz nicht viel ändern. Die Bedeutung dieser Geste hätte früher nicht nur eine militärische, sondern auch eine politische Dimension gehabt. Der Westen steht zusammen. Genau das tut er nicht.

Dabei lehren die Kriege in Afghanistan und dem Irak, dass es niemals reicht, Soldaten loszuschicken, ohne ein politisches Ziel zu haben. Es geht nicht darum, den befreiten Ländern ein System von außen zu verordnen. Aber der Westen muss sehr wohl ein Interesse daran haben, am Ende auch wirklich die Demokraten unter den Widerständlern zu stützen und eine politische Klasse heranzuziehen, die ein stabiles, neues Libyen aufzubauen in der Lage ist. Davon hört man in diesen Tagen wenig bis gar nichts.

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