Emotionale PID-Debatte im Bundestag

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Ursula von der Leyen möchte "einer kleinen Gruppe von Paaren, die einen langen Leidensweg hinter sich haben" mit der PID den Kinderwunsch erfüllen.

Berlin - Im Bundestag wird am Donnerstag über die umstrittene Präimplantationsdiagnostik debattiert. Bundessozialministerin Ursula von der Leyen hat die Sorge um Designerbabys zurückgewiesen.

Vor der Entscheidung des Bundestages über die umstrittene Präimplantationsdiagnostik hat sich Bundessozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) erneut für eine begrenzte Zulassung ausgesprochen. “Es geht um eine kleine Gruppe von Paaren, die einen langen Leidensweg hinter sich haben“, sagte sie am Donnerstag im ARD-“Morgenmagazin“. Niemand wolle “Designerbabys“ kreieren. “Es geht um eine schwere Erbkrankheit, die auf einem einzelnen Gen sitzt und wo die Eltern bereits die Erfahrung gemacht haben, dass sie diese weitergeben.“ Der Bundestag entscheidet am Donnerstag über die PID. Derzeit sind die dabei vorgenommenen Gentests an Embryonen aus dem Reagenzglas erlaubt. Die Anwendung der Methode ist aber nicht weiter geregelt. Den Abgeordneten liegen drei Anträge vor: für eine begrenzte Zulassung, für ein komplettes Verbot und - als Kompromiss - für ein Verbot mit Ausnahmen.

Grünen-Abgeordnete Katrin Göring-Eckardt sprach sich im Deutschlandradio Kultur gegen die PID aus. Die Methode sei kein Heilsversprechen. Sie könne die Eltern zwar sehr gut verstehen, sagte Göring-Eckardt. Die PID sei aber keine Garantie, dass es zur Schwangerschaft komme. Es gehe nicht nur um wenige, sondern um “sehr sehr viele Fälle“.

CDU-Wirtschaftsstaatssekretär Peter Hintze sagte im Deutschlandfunk: “Bei der PID geht es ausschließlich darum, ein Verhängnis, um das ich weiß, nicht weitergeben zu müssen.“ Die betroffenen Eltern wünschten sich sehnlichst ein Kind.

Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller, ist im Bundestag für ein Verbot der Präimplantationsdiagnotik (PID) eingetreten. Das “Recht auf Leben darf nicht zur Disposition gestellt werden“, sagte der CSU-Politiker am Donnerstag bei der abschließenden Debatte um die PID.

Der Schutzauftrag des Staates gegenüber Menschen mit Behinderung dürfe nicht ausgehebelt werden. Ein menschlicher Embryo entwickelt sich “von Anfang an als Mensch und nicht zum Menschen“, erklärte Zöller.

SPD-Politiker Thierse lehnt PID entschieden ab

Auch der Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Wolfgang Thierse, hat sich entschieden gegen eine Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) ausgesprochen. Wenn man die PID in Deutschland zulasse, “nehmen wir einen fundamentalen Paradigmenwechsel vor und ermöglichen eine Qualitätsselektion menschlichen Lebens“, warnte der SPD-Politiker am Donnerstag im Bundestag. Die Menschenwürde gelte “von Anfang an“ und sei mit dem Recht auf Leben verknüpft. Bei der PID würden Embryonen dagegen als Sache behandelt.

Der Grünen-Politiker Jerzy Montag antwortete auf Thierse mit einer scharfen Zurückweisung dieser Argumentation. “Es geht nicht um die Hybris, Gott in die Parade zu fahren und ein perfektes Kind züchten zu wollen“, sagte der Anhänger einer PID-Zulassung. Dies Frauen und Eltern zu unterstellen “verbietet sich“. Vielmehr müsse es um die Eltern gehen, welche die Verantwortung für ein schwer krankes und todgeweihtes Kind tragen. Sie müssten unterstützt und möglicherweise vermeidbares Leid von ihnen abgewendet werden.

Emotionale Debatte im Bundestag

In der Debatte im Bundestag sind die Gefühle stellenweise hochgekocht. Mit tränenerstickter Stimme warb etwa der Linken-Abgeordnete Steffen Bockhahn für die Zulassung von Gentests an Embryonen. Er selbst sei “der glücklichste Vater der Welt“, sagte er am Donnerstag im Plenum. Dieses Glück, “das ich jetzt mit meiner Frau teilen kann“, sollten auch andere haben können, auch wenn sie wegen Erbkrankheiten zweifeln, ob sie ein Kind bekommen sollen. Auch andere Redner führten ihre persönliche Lebenssituation und ihre Kinder ins Feld.

dpa/dapd

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