Eine Chance für ZDF & Co.

Kommentar: Champions League nur im Pay-TV

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Bald herrschen klare Verhältnisse: Wer Spitzenfußball sehen will, also die gigantischen Gehälter und Ablösesummen der Stars und Sternchen dieser Sportart goutiert, der muss extra in die Tasche greifen. Von Frank Pröse

Der vollständige Erwerb der Champions-League-Rechte durch Sky und den Streamingdienst DAZN ist die logische Konsequenz aus dem teils schon perversen Milliarden-Spiel ums runde Leder. Es war vorhersehbar, dass den öffentlich-rechtlichen Sendern beim Wettbieten um die Gunst der Geschäftemacher von FIFA, UEFA, oder DFL irgendwann einmal die Puste ausgehen musste.

Es wird nicht wenige bisher zwangsbeglückte Gebührenzahler geben, die sich nun darauf freuen dürfen, dass frei gewordene Budgets wie Sendezeiten für ein anspruchsvolles Programm verwendet werden können. Nebenbei: Auch die Nische im Sport hat ihren Reiz, wie das ZDF bewiesen hat zu Zeiten, als die Sportreportage ihrem Namen noch alle Ehre machte und noch keine Marketing-Abteilung der Fußball-Industrie war.

Die Summen, die derzeit im Fußball bewegt werden, stehen in den seltensten Fällen in einem gesunden Verhältnis zum Talent der Spieler oder zum Unterhaltungswert der meisten Spiele. Die Kassen der Entscheider sind eben so voll, dass sie nicht mehr wissen, wie sie es am besten investieren sollen. Geld wird so auf dem Fußballsektor immer weniger wert, weil Zuwendungen von Sponsoren aus Katar oder von Oligarchen Marktgesetze und sportliche Risiken aushebeln und die Medien die Kassen der Vereine zusätzlich füllen.

Der öffentliche Rundfunk hat sich bisher offenbar als erpressbar gesehen: Die Programm-Verantwortlichen wollten es sich nicht leisten, auf die Übertragung scheinbar wichtiger Fußball-Veranstaltungen zu verzichten. Aber gerade dies ist ein Ausweg aus der sich immer schneller drehenden Kostenspirale. Anfangs springen sicher die Privatsender liebend gerne in die Lücke. Da sie als Wirtschaftsunternehmen jedoch keine Sportrechte in beliebiger Höhe mit ihren Werbeeinnahmen finanzieren können, dürften sich letztlich die Gesetze der Marktwirtschaft durchsetzen...

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