Frauenquote

Kommentar: Chance vertan

Ausgerechnet Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel ist gegen die Frauenquote. Sie will den Konzernbossen auch weiterhin nicht vorschreiben, dass in ihren Führungsetagen künftig auch Frauen das Sagen haben müssen. Von Detlef Burrichter

Damit macht sich Merkel unglaubwürdig. Als Regierungschefin einer großen Wirtschaftsnation sollte sie nicht tatenlos zusehen, wie machtversessene Männer den Frauen immer weiter Chancengleichheit verwehren und obendrein enorme Ressourcen ungenutzt lassen.

Längst hat sich herumgesprochen, dass Frauen die besseren Abschlüsse machen – beim Abitur und im Studium. Längst auch haben Studien nachgewiesen, dass die Gruppenintelligenz zunimmt, wenn Frauen dazugehören. Unternehmen, in deren Vorständen überdurchschnittlich viele Frauen sitzen, sind besonders erfolgreich. Das ist so, weil Frauen anders kommunizieren, anders auftreten und verlässlich pragmatische Entscheidungen treffen.

Deutschland muss nicht einmal Pionierarbeit leisten. Norwegen macht es vor, auch Frankreich und Spanien. Dort ist ein 40-prozentiger Frauenanteil in den Aufsichtsräten gesetzlich vorgeschrieben.

Sicher kann Zwang immer nur das letzte Mittel sein. In diesem Fall ist es aber geboten – weil die freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaft, zu der sie sich vor zehn Jahren bekannt hatte, krachend gescheitert ist. Gesellschaftlicher Fortschritt braucht manchmal harte Entscheidungen. Frau Merkel fehlt im Jahr der sieben Landtagswahlen offenbar der Mut dazu.

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