Kommentar: Ehrenmänner und andere

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Frank Pröse

Christian Wulff ist ein Phänomen. Der Mann schafft es, seinen Ruf jeden Tag aufs Neue zu beschädigen. Anspruchsdenken und die Gleichgültigkeit gegenüber der Wirkung seiner Forderungen diskreditieren den Politiker, nicht etwa die bösen Medien.

Wulff scheitert an sich selbst, weil er keine Schlüsse aus seinen Fehlern zieht. Und so sorgt er zumindest bis zum Großen Zapfenstreich immer wieder für neuen Ärger. Nun will Wulff während der militärischen Zeremonie statt der üblichen drei vier Stücke vom Stabsmusikkorps gespielt bekommen. Es würde niemanden jucken, ginge es nicht um Wulff. So aber tut sich mit dieser Petitesse ein weiterer Nebenkriegsschauplatz auf, weil gerade solche Kleinigkeiten ärgern. Diese Affäre setzt lauter Mückenstiche, weil man das nervende Vieh einfach nicht zu fassen bekommt.

Noch gibt es auch Ehrenmänner. Während die Parteipolitiker darüber streiten, ob dem zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff Ehrensold, Büro und Mitarbeiter zustehen, haben alle noch lebenden Amtsvorgänger ihre Teilnahme am Großen Zapfenstreich abgesagt. Man mag ihnen Eitelkeit unterstellen, weil sie ihre eigene ehrenvolle Verabschiedung durch eine Teilnahme an Wulffs Show vielleicht entwertet sehen. Es mag auch simplere andere Gründe wie Terminnöte geben. Aber die Nation will lieber ans Ehrenhafte glauben, an eine hintergründige Botschaft der alten Männer, nach der sich Respekt und Anerkennung nicht kaufen lassen.

Wie weit entfernt von diesen Respektspersonen agiert Wulff, wenn er sich mit diesen vergleicht und mit der Forderung nach Gleichbehandlung mit den Vorgängern Ansprüche an ein eigenes Büro untermauert. Wulff weiß einfach nicht, was sich gehört und was nicht. Und wie kleinkariert tickt dieser Mann, wenn er die Berliner Politik brüskiert, indem er keine Spitzenpolitiker aus dem Parlament zur Verabschiedung durch die Bundeswehr einlädt? Soviel Zurückhaltung hätte man dem Mann an anderen Stellen und zu anderen Gelegenheiten gewünscht. Das ungerührte Weiter-So ist ein Zeichen erschreckender Realitätsferne.

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