Konferenz der Gesundheitsminister

Holetschek forciert Impfangebote für Kinder ab 12 - doch Stiko sieht anderen „alles entscheidenden“ Punkt

Mehr Impfungen für Kinder und Jugendliche: Damit beschäftigen sich am Montag die Gesundheitsminister. Bayerns Vertreter äußerte sich vorab zum Zwist mit der Stiko.

Berlin - Impfen, impfen, impfen: Zurzeit wird die Politik nicht müde, dies zu betonen. Wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder* (CSU) beispielsweise gern sagt: „Es ist ein Wettlauf mit der Zeit.“ Denn die Delta-Variante treibt auch in Deutschland die Corona-Infektionszahlen insgesamt wieder nach oben.

An diesem Montag beschäftigen sich deshalb auch die Gesundheitsminister von Bund und Ländern mit dem Thema Impfungen. Vorab war bereits ein Entwurf für ein Beschusspapier durchgesickert*. Darüber soll nun noch einmal diskutiert werden. Doch die Linie scheint schon mal klar, wie der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU*) am Morgen klarmachte.

Corona-Impfungen in Deutschland: „Es ist jetzt wichtig, dass wir auch keine Zeit versäumen“

Es geht um ein Impfangebot in allen Bundesländern für Jugendliche, genauer gesagt Kinder zwischen 12 und 17 Jahren: „Wir wollen heute gemeinsam darüber diskutieren und dieses Impfangebot noch einmal deutlich machen“, sagte Holetschek im ARD-„Morgenmagazin“. „Es ist jetzt wichtig, dass wir auch keine Zeit versäumen.“ Im Gespräch ist, die Impfzentren dafür zu nutzen, aber auch Impfungen bei niedergelassenen Ärzten seien denkbar, heißt es laut Medienberichten im Beschlussentwurf.

Für Aufsehen sorgt der Plan in Bezug auf die bisherige Empfehlung der Ständigen Impfkommission: Die Stiko empfiehlt die Corona*-Impfung bisher nur vor allem für Kinder und Jugendliche mit bestimmten Vorerkrankungen. Wohlbemerkt: Die Stiko rät auch nicht direkt von einer Impfung ab. Trotz heftigen politischen Drucks hat sich an der Empfehlung vorerst nichts geändert.

Corona-Impfungen für Kinder und Jugendliche: Stiko-Vorsitzender bezieht Stellung

Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens bezog am Montag im Radiosender NDR Info noch einmal Position - und bekräftigte die Zurückhaltung: Derzeit gebe es noch zu wenige Daten zu möglichen gesundheitlichen Folgeschäden für 12- bis 17-Jährige. „Wir sagen, wir können nicht eine generelle Empfehlung aussprechen, solange wir diesbezüglich nicht die notwendige Datensicherheit haben.“ Bezüglich des öffentlichen Drucks meinte er: „Es kann durchaus sein, dass wir unsere Empfehlung ändern werden, aber sicher nicht, weil Politiker sich geäußert haben.“

Das Problem seien ohnehin „im Moment nicht so sehr die Kinderimpfungen“, fügte Mertens wiederum im MDR hinzu. Wichtiger sei es, „dass wir eine hohe Impfquote bei den 18- bis 59-Jährigen erreichen“. Davon werde der Verlauf der vierten Welle „alles entscheidend“ abhängen. „Die Impfung der Kinder ist zwar medienwirksam, aber aus epidemiologischer Sicht lange nicht so relevant“, fügt Mertens an.

Mertens sagte bei MDR Aktuell auch, er halte es für „nicht besonders klug“, dass viele Politiker „jetzt so vorpreschen“. Die Stiko habe, wie schon häufiger in der Vergangenheit, eine etwas andere Stellungnahme verfasst. „Ob das Ganze sehr klug und weitsichtig ist und zur allgemeinen Beruhigung beiträgt oder doch eher zur erneuten Verunsicherung, das mögen andere beurteilen“.

Konferenz der Gesundheitsminister: Holetschek sieht keinen Widerspruch zur Stiko

Holetschek jedenfalls erkennt keinen Widerspruch zur Stiko: Sie habe diese Möglichkeit eröffnet bei ärztlicher Aufklärung, mit Einwilligung und nach individueller Risikoabschätzung. „Nichts anderes machen wir.“ Der CSU-Politiker betonte zugleich, niemandem solle etwas aufgezwungen werden. „Es ist ja ein Impfangebot. Das muss man immer so sagen.“

Klaus Holetschek (CSU), Minister in Bayern, derzeitige Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz (Archivbild)

SPD-Mann Müller hält Vorhaben der Gesundheitsminister für „sehr sachgerecht“

Auch der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz - die am 10. August wieder mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammenkommt - warb für Corona-Impfungen für Kinder und Jugendliche von 12 bis 17 Jahren. Die Impfung sei „überhaupt nicht so risikoreich, wie viele befürchten“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD*) ebenfalls im ARD-„Morgenmagazin“. Dass die Gesundheitsminister von Bund und Ländern die Impfungen für diese Altersgruppe nun vorantreiben wollen, halte er für „sehr sachgerecht“.

Müller wandte sich dagegen, Kinder und Jugendliche ungeschützt zu lassen und so eine Ansteckung zu riskieren. Es könne auch für Kinder Langzeitfolgen durch eine Corona-Infektion geben, sagte der SPD-Politiker.

Corona-Auffrischungsimpfungen für manche ab September? Vorschlag von Spahn

Ein weiteres Thema, das die Minister beraten wollen, sind Auffrischungsimpfungen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU*) schlägt für bestimmte Gruppen, etwa sehr immungeschwächte oder sehr alte Personen, solche Impfungen ab September vor, wie aus dem Entwurf laut ARD hervorgeht. (cibo/dpa/AFP) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

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